Cardiolipin
BiologiePhospholipid der inneren Mitochondrienmembran, essentiell für die Funktion der Atmungskette (oxidative Phosphorylierung). SS-31 (Elamipretide) bindet selektiv an Cardiolipin und stabilisiert die Mitochondrienmembran, was die ATP-Produktion verbessert.
Ausführlich erklärt
Cardiolipin ist ein ungewöhnliches Phospholipid: Es besitzt vier Fettsäureketten statt der üblichen zwei und trägt zwei negative Ladungen. Dadurch hat es eine kegelförmige Gestalt, die zur starken Krümmung der Cristae passt, der Einfaltungen der inneren Mitochondrienmembran. Es kommt fast ausschließlich dort vor und macht einen beträchtlichen Teil der Lipide dieser Membran aus.
Cardiolipin stabilisiert die Komplexe der Atmungskette und deren Zusammenlagerung zu Superkomplexen. Wird es oxidiert, kann es aus der Membran wandern und Cytochrom c freisetzen, was den Weg in die Apoptose einleitet. Ein Beispiel für seine Bedeutung ist das seltene Barth-Syndrom, bei dem ein Defekt im Enzym Tafazzin die Reifung von Cardiolipin stört.
Bedeutung in der Peptidforschung
Cardiolipin ist das Hauptziel des Tetrapeptids SS-31, auch Elamipretid genannt. Das Peptid reichert sich in der inneren Mitochondrienmembran an und bindet dort an Cardiolipin, was in präklinischen Modellen mit einer stabileren Atmungskette in Verbindung gebracht wurde. Klinische Studien untersuchten es unter anderem bei mitochondrialen Myopathien und beim Barth-Syndrom, mit gemischten Ergebnissen.
Einordnung
Der Name geht darauf zurück, dass Cardiolipin in den 1940er-Jahren erstmals aus Rinderherzen isoliert wurde, es kommt aber in allen Mitochondrien vor. Antikörper gegen Cardiolipin sind ein Laborbefund beim Antiphospholipid-Syndrom und haben mit dem SS-31-Mechanismus nichts zu tun.