Schädel-Hirn-Trauma
NeurologieVerletzung des Schädels mit Beteiligung des Gehirns (SHT). Häufige Ursache: Unfälle, Stürze, Schlaganfälle. Sekundärschäden durch überschießende Neuroinflammation der Mikroglia treiben den späten Gewebeverlust. Ansatzpunkt neuer neuroprotektiver Peptide.
Ausführlich erklärt
Ein Schädel-Hirn-Trauma entsteht durch äußere mechanische Gewalt auf den Kopf, etwa bei Verkehrsunfällen, Stürzen oder Sportverletzungen. Man unterscheidet den Primärschaden, der im Moment der Krafteinwirkung durch Prellung, Scherung von Nervenfasern oder Blutungen entsteht, vom Sekundärschaden, der sich über Stunden bis Tage entwickelt.
Zum Sekundärschaden tragen Hirnschwellung mit Anstieg des Hirndrucks, verminderte Durchblutung, eine übermäßige Freisetzung des Botenstoffs Glutamat (Exzitotoxizität), oxidativer Stress und Entzündungsreaktionen bei. Mikroglia, die Immunzellen des Gehirns, schütten dabei Zytokine aus, die einerseits Aufräumprozesse unterstützen, andererseits Nervengewebe weiter schädigen können. Der Schweregrad wird klinisch häufig mit der Glasgow-Koma-Skala eingeschätzt, die Augenöffnen, verbale und motorische Reaktion bewertet.
Bedeutung in der Peptidforschung
Weil der Sekundärschaden zeitverzögert abläuft, gilt er als mögliches Zeitfenster für neuroprotektive Ansätze. In Tiermodellen wurden verschiedene Peptide untersucht, etwa Fragmente von Neuropeptiden oder Wachstumsfaktor-Mimetika. Der Transfer in große klinische Studien ist bei Schädel-Hirn-Traumata bislang meist ohne überzeugende Ergebnisse geblieben, was die Komplexität des Krankheitsbilds widerspiegelt.
Einordnung
Das Schädel-Hirn-Trauma ist von Schlaganfall und zerebraler Ischämie abzugrenzen: Diese entstehen durch Gefäßverschluss oder Blutung ohne äußere Gewalteinwirkung. Mechanistische Überschneidungen beim Sekundärschaden bestehen, die Ursachen unterscheiden sich aber grundlegend.