AMP
PharmakologieAntimikrobielles Peptid, kurze körpereigene oder synthetische Peptide (10–50 Aminosäuren), die direkt die Zellmembran von Bakterien zerstören. Schwer durch Mutation zu umgehen, daher interessante Reserveklasse gegen multiresistente Erreger.
Ausführlich erklärt
Antimikrobielle Peptide sind Teil der angeborenen Immunabwehr und kommen in nahezu allen Lebewesen vor, von Bakterien über Pflanzen bis zum Menschen. Viele von ihnen sind positiv geladen und amphipathisch, das heißt, sie besitzen eine wasserliebende und eine fettliebende Seite. Diese Eigenschaften erlauben es ihnen, sich an die negativ geladene Oberfläche bakterieller Membranen zu lagern und dort Poren oder Störungen zu erzeugen.
Nicht alle AMPs wirken jedoch über die Membran. Manche dringen in die Zelle ein und stören dort Proteinsynthese oder Zellwandaufbau, andere modulieren vor allem die Immunantwort. Ein bekanntes menschliches Beispiel ist LL-37, ein Spaltprodukt des Proteins Cathelicidin, das in Haut, Schleimhäuten und Immunzellen vorkommt. Auch die Defensine gehören zu dieser Gruppe.
Bedeutung in der Peptidforschung
AMPs sind ein eigenes Forschungsfeld, weil klassische Antibiotika zunehmend an Resistenzen scheitern. Untersucht werden natürliche Peptide, verkürzte Varianten und vollständig synthetische Sequenzen. Die Entwicklung stößt auf bekannte Hürden: schnelle Spaltung durch Proteasen, Toxizität gegenüber menschlichen Zellen und hohe Herstellungskosten. Viele Kandidaten scheiterten deshalb in klinischen Phasen, einige werden für topische Anwendungen weiter erforscht.
Einordnung
Das Kürzel AMP ist mehrdeutig: In der Biochemie steht es meist für Adenosinmonophosphat. Zudem ist die Annahme, Bakterien könnten gegen AMPs kaum Resistenzen entwickeln, zu optimistisch. Laborstudien zeigen Anpassungen etwa über veränderte Membranladung oder abbauende Enzyme.