GLP-1
EndokrinologieGlucagon-like Peptide-1, körpereigenes Inkretinhormon, das Insulinsekretion stimuliert und Appetit hemmt. Basis für Semaglutid und Tirzepatid.
Ausführlich erklärt
GLP-1 wird von L-Zellen im Dünn- und Dickdarm nach einer Mahlzeit freigesetzt. Es entsteht aus Proglucagon, derselben Vorstufe, aus der in der Bauchspeicheldrüse Glucagon gebildet wird. GLP-1 bindet an den GLP-1-Rezeptor und verstärkt die Insulinfreisetzung, allerdings nur bei erhöhtem Blutzucker. Zudem hemmt es die Glucagonausschüttung, verlangsamt die Magenentleerung und wirkt über Rezeptoren im Gehirn auf Sättigung und Appetit.
Körpereigenes GLP-1 wird innerhalb weniger Minuten durch das Enzym DPP-4 abgebaut. Für die Arzneimittelentwicklung musste es daher stabilisiert werden. Semaglutid etwa trägt einen Aminosäureaustausch an der Spaltstelle und eine Fettsäurekette, über die es an Albumin im Blut bindet. Dadurch verlängert sich die Halbwertszeit von Minuten auf etwa eine Woche.
Bedeutung in der Peptidforschung
GLP-1 ist das Paradebeispiel dafür, wie aus einem körpereigenen Peptid zugelassene Arzneimittel entstehen können. Liraglutid, Semaglutid und der duale GIP/GLP-1-Rezeptoragonist Tirzepatid sind in der EU zugelassen. Experimentelle Weiterentwicklungen wie Retatrutide, das zusätzlich den Glucagon-Rezeptor anspricht, befinden sich noch in klinischen Studien.
Einordnung
Die Bezeichnung „GLP-1“ wird umgangssprachlich oft für die Medikamente selbst verwendet. Fachlich ist GLP-1 das körpereigene Hormon, die Arzneistoffe sind GLP-1-Rezeptoragonisten. Zugelassene Präparate sind verschreibungspflichtig, ihre Verordnung ist eine ärztliche Entscheidung.