Intranasal
AnwendungVerabreichungsweg über die Nasenschleimhaut. Ermöglicht direkten Transport zum Gehirn über den Riechnerv (olfaktorischer Transport). Genutzt für Semax, Selank, Epithalon.
Ausführlich erklärt
Die Nasenschleimhaut ist gut durchblutet und hat eine vergleichsweise große Oberfläche. Stoffe, die dort aufgenommen werden, umgehen den Magen-Darm-Trakt und den ersten Abbau in der Leber. Für Peptide sind die Hürden trotzdem hoch: Die Schleimhaut enthält Enzyme, die Flimmerhärchen transportieren Substanzen innerhalb von Minuten Richtung Rachen ab, und größere, wasserlösliche Moleküle durchdringen das Gewebe nur schlecht. Die Bioverfügbarkeit liegt bei Peptiden oft im niedrigen Prozentbereich.
Diskutiert wird zusätzlich ein direkter Weg ins Gehirn entlang des Riech- und des Trigeminusnervs, der die Blut-Hirn-Schranke umgehen könnte. Tierstudien liefern dafür Hinweise. Ein etabliertes Beispiel für die nasale Gabe eines Peptids ist Desmopressin, ein Analogon des Hormons Vasopressin, das als Nasenspray zugelassen ist.
Bedeutung in der Peptidforschung
Auf PeptidWiki spielt der intranasale Weg vor allem bei neuroaktiven Peptiden wie Semax und Selank eine Rolle, die in Russland als Nasentropfen entwickelt wurden. Auch Oxytocin wird in Forschungsstudien häufig nasal gegeben. Wie viel Peptid beim Menschen tatsächlich das Gehirn erreicht, ist für die meisten Substanzen nicht verlässlich gemessen.
Einordnung
Der sogenannte Nose-to-Brain-Transport ist beim Menschen deutlich schlechter belegt als im Tiermodell, wo die Riechschleimhaut anteilig viel größer ist. PeptidWiki beschreibt den Applikationsweg als Fachbegriff und gibt keine Anwendungsempfehlungen. Nicht zugelassene Peptide sind im DACH-Raum keine Arzneimittel.