NAION
PharmakologieNon-arteritische anteriore ischämische Optikusneuropathie, plötzliche Durchblutungsstörung des Sehnervkopfes mit dauerhaftem Gesichtsfeldausfall. EMA und MHRA haben NAION 2025 als sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid eingestuft (< 1/10.000).
Ausführlich erklärt
Bei der NAION kommt es zu einer Minderdurchblutung des vorderen Sehnervs, dort, wo die Nervenfasern das Auge verlassen. Betroffene bemerken meist schmerzlos, oft nach dem Aufwachen, einen Sehverlust auf einem Auge, typischerweise als Ausfall der oberen oder unteren Gesichtsfeldhälfte. Der Sehnervkopf ist bei der Untersuchung geschwollen. Die Bezeichnung nicht arteritisch grenzt die Form von der arteritischen Variante ab, die durch eine Gefäßentzündung, die Riesenzellarteriitis, entsteht.
Als wichtiger anatomischer Risikofaktor gilt ein kleiner, eng gebauter Sehnervkopf, in der Fachsprache „disc at risk“. Hinzu kommen Gefäßrisikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und obstruktive Schlafapnoe. Der genaue Mechanismus ist nicht vollständig geklärt, diskutiert werden nächtlicher Blutdruckabfall und Schwellung im engen Kanal des Sehnervs.
Bedeutung in der Peptidforschung
NAION ist auf PeptidWiki relevant, weil Beobachtungsstudien ab 2024 einen möglichen Zusammenhang mit Semaglutid berichteten. Nach Bewertung der verfügbaren Daten stufte die EMA NAION als sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid ein. Diskutiert wird, ob ähnliche Signale für andere GLP-1-Rezeptoragonisten bestehen. Der Fall zeigt, wie Pharmakovigilanz seltene Risiken erst nach der Zulassung erkennt.
Einordnung
Die Datenlage beruht überwiegend auf Beobachtungsstudien mit möglichem Confounding, da viele Risikofaktoren bei Menschen mit Diabetes und Adipositas gehäuft vorliegen. Ein Mechanismus ist nicht belegt. Plötzliche Sehstörungen gehören immer umgehend in ärztliche Abklärung.