Neuroplastizität
NeurologieFähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrung, Lernen und nach Verletzungen strukturell und funktionell anzupassen. BDNF ist ein zentraler Förderer der Neuroplastizität. Semax erhöht BDNF deutlich.
Ausführlich erklärt
Neuroplastizität umfasst Veränderungen auf mehreren Ebenen. An einzelnen Synapsen verstärken oder schwächen sich Verbindungen je nach Nutzung, ein Mechanismus, der als Langzeitpotenzierung beziehungsweise Langzeitdepression beschrieben wird. Hinzu kommen strukturelle Veränderungen wie die Bildung neuer Dornfortsätze an Dendriten und, in wenigen Hirnregionen wie dem Hippocampus, die Entstehung neuer Nervenzellen.
Ein bekanntes Beispiel stammt aus Untersuchungen an Londoner Taxifahrern: Bei ihnen fand sich ein vergrößerter hinterer Hippocampus, eine Region, die für räumliche Orientierung wichtig ist. Nach Schlaganfällen ermöglichen plastische Umbauprozesse, dass benachbarte Hirnareale ausgefallene Funktionen teilweise übernehmen.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidforschung wird Neuroplastizität oft über Surrogatmarker wie BDNF gemessen, den „brain-derived neurotrophic factor“. Zu Semax und Selank existieren vor allem russische Tierstudien, die Veränderungen der BDNF-Expression im Gehirn beschreiben. Auch Cerebrolysin, ein Gemisch aus Peptiden, wurde in diesem Zusammenhang untersucht. Unabhängige, kontrollierte Humanstudien mit funktionellen Endpunkten sind rar.
Einordnung
Ein erhöhter BDNF-Wert im Tiermodell ist nicht gleichbedeutend mit verbesserter Lernfähigkeit beim Menschen. Neuroplastizität ist zudem nicht per se positiv: Auch chronische Schmerzen oder Abhängigkeitserkrankungen beruhen teilweise auf plastischen Veränderungen im Nervensystem. Semax und Selank sind im DACH-Raum nicht als Arzneimittel zugelassen.