Östrogen
EndokrinologieGruppe weiblicher Sexualhormone (Estradiol, Estron, Estriol), die Reproduktion, Knochengesundheit, Herz-Kreislauf-System und Kollagenproduktion steuern. Sinkende Östrogenspiegel in den Wechseljahren beschleunigen den Kollagenabbau deutlich.
Ausführlich erklärt
Östrogene sind Steroidhormone, die aus Cholesterin über Androgene als Zwischenstufen entstehen. Den letzten Schritt katalysiert das Enzym Aromatase, das Testosteron in Estradiol und Androstendion in Estron umwandelt. Vor der Menopause bilden vor allem die Eierstöcke Estradiol, danach stammt der Großteil aus der Aromatase-Aktivität im Fettgewebe und anderen Geweben. Auch bei Männern ist dieser Weg bedeutsam.
Östrogene wirken hauptsächlich über die Kernrezeptoren ERα und ERβ, die als Transkriptionsfaktoren die Aktivität zahlreicher Gene verändern. Daneben gibt es einen membranständigen Rezeptor (GPER), der schnelle Signale vermittelt. In der Haut fördern Östrogene unter anderem die Aktivität von Fibroblasten, also der Zellen, die Kollagen bilden. Das erklärt, warum Hautdicke und Kollagengehalt nach der Menopause messbar abnehmen.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidforschung taucht Östrogen in zwei Zusammenhängen auf. Zum einen bei Studien zu Hautalterung und Kollagen, in denen etwa Signalpeptide oder Kupferpeptide wie GHK-Cu untersucht werden und hormonelle Einflüsse als Störgröße zu berücksichtigen sind. Zum anderen bei der HPG-Achse: Peptide wie Kisspeptin oder GnRH-Analoga beeinflussen die Hormonkaskade, an deren Ende die Östrogenbildung steht, während Östrogen wiederum rückkoppelnd auf Hypothalamus und Hypophyse wirkt.
Einordnung
„Östrogen“ ist ein Sammelbegriff, kein einzelnes Molekül. Estradiol, Estron und Estriol unterscheiden sich deutlich in Wirkstärke und Vorkommen. Östrogene sind zudem nicht ausschließlich weiblich: Auch der männliche Organismus ist für Knochenstoffwechsel und andere Funktionen auf Estradiol angewiesen.