HPG-Achse
EndokrinologieHypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse, dreistufiges Regelkreissystem: Hypothalamus (GnRH) → Hypophyse (LH/FSH) → Gonaden (Testosteron/Östrogen). Basis der Reproduktionshormonfunktion und TRT-Begleittherapie.
Ausführlich erklärt
Die HPG-Achse funktioniert über negative Rückkopplung. Der Hypothalamus setzt GnRH in Pulsen frei, die Hypophyse antwortet mit LH und FSH, und die Gonaden bilden Sexualhormone sowie Samen- oder Eizellen. Testosteron, Östradiol und Inhibin melden ihrerseits an Hypothalamus und Hypophyse zurück und dämpfen deren Aktivität, sobald ausreichende Spiegel erreicht sind.
Bei der Frau kommt eine Besonderheit hinzu: Hohe, anhaltende Östradiolspiegel vor dem Eisprung schalten die Rückkopplung kurzzeitig ins Positive und lösen so den LH-Anstieg aus. Die Achse ist zudem mit dem Energiehaushalt verknüpft. Bei starkem Energiemangel, etwa bei Leistungssportlerinnen, kann sie gedrosselt werden, was sich in Zyklusstörungen zeigt.
Bedeutung in der Peptidforschung
Seit der Entdeckung seiner Rolle Anfang der 2000er-Jahre gilt Kisspeptin als wichtiger Taktgeber oberhalb von GnRH. In der Peptidliteratur dient die HPG-Achse als Referenzsystem, um die Wirkung von GnRH-Analoga, Kisspeptin oder exogenem Testosteron zu beschreiben. Messbare Endpunkte sind LH, FSH und Sexualhormone im Blut. Veränderungen auf einer Ebene lassen sich so über die Werte der anderen Ebenen nachvollziehen.
Einordnung
Die HPG-Achse ist Teil eines größeren Netzwerks und steht in Wechselwirkung mit der Stressachse und der Schilddrüsenachse. Die Darstellung als lineare Kette ist eine didaktische Vereinfachung. Begleitende Maßnahmen zu einer Testosterongabe sind eine ärztliche Frage und kein Bestandteil der Definition dieser Achse.