GnRH
EndokrinologieGonadotropin-Releasing-Hormon, pulsatiles Hypothalamus-Hormon, das die Hypophyse zur LH- und FSH-Freisetzung stimuliert. Gonadorelin ist das synthetische Äquivalent. Basis der HPG-Achse.
Ausführlich erklärt
GnRH ist ein Dekapeptid, also ein Peptid aus zehn Aminosäuren. Es wird von einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Nervenzellen im Hypothalamus gebildet, die während der Embryonalentwicklung aus der Riechregion ins Gehirn einwandern. Über das Pfortadersystem erreicht GnRH die Hypophyse und bindet dort an einen G-Protein-gekoppelten Rezeptor auf gonadotropen Zellen.
Entscheidend ist das Freisetzungsmuster. Pulsatile GnRH-Signale regen LH und FSH an, eine dauerhaft gleichmäßige Rezeptorstimulation führt dagegen nach kurzer Anfangsphase zu einer Desensibilisierung und damit zur Unterdrückung der Achse. Diese Erkenntnis aus der Arbeit von Ernst Knobil und Kollegen zeigte, warum Rhythmus in der Endokrinologie oft wichtiger ist als Menge.
Bedeutung in der Peptidforschung
Auf diesem Prinzip beruhen zahlreiche zugelassene Peptidarzneimittel. Langwirksame GnRH-Agonisten wie Leuprorelin oder Triptorelin werden gerade zur Unterdrückung der Hormonachse eingesetzt, etwa in der Onkologie. GnRH-Antagonisten blockieren den Rezeptor direkt. Gonadorelin, das synthetische GnRH, ist im DACH-Raum vor allem als Diagnostikum bekannt. Die GnRH-Forschung gilt als gut dokumentiertes Beispiel für Peptid-Wirkstoffentwicklung.
Einordnung
Die Bezeichnung „GnRH-Analogon“ umfasst sowohl Agonisten als auch Antagonisten und kann dadurch irreführen: Je nach Substanz und Freisetzungsmuster wird die Achse angeregt oder unterdrückt. Auch der ältere Name LHRH ist verbreitet und meint dasselbe Hormon.