Hypothalamus
NeurologieHirnregion, die lebenswichtige Körperfunktionen wie Hunger, Schlaf, Körpertemperatur und das Hormonsystem reguliert. Produziert GHRH, GnRH und andere Releasing-Hormone, die die Hypophyse steuern.
Ausführlich erklärt
Der Hypothalamus ist nur wenige Gramm schwer und liegt im Zwischenhirn unterhalb des Thalamus. Er besteht aus zahlreichen Kerngebieten, also Ansammlungen von Nervenzellen mit spezialisierten Aufgaben. Der Nucleus arcuatus etwa verarbeitet Signale zu Energiestatus und Sättigung, der Nucleus suprachiasmaticus fungiert als innere Uhr für den Tag-Nacht-Rhythmus.
Seine Besonderheit ist die Verbindung von Nerven- und Hormonsystem. Neuroendokrine Zellen geben Botenstoffe ins Blut ab, darunter Releasing-Hormone wie GHRH, GnRH, CRH und TRH sowie hemmende Faktoren wie Somatostatin. Viele davon sind selbst Peptide. Zugleich empfängt der Hypothalamus Rückmeldungen aus dem Körper, etwa über Leptin aus dem Fettgewebe oder Ghrelin aus dem Magen.
Bedeutung in der Peptidforschung
Die Aufklärung hypothalamischer Peptidhormone war ein Meilenstein der Endokrinologie: Roger Guillemin und Andrew Schally erhielten dafür 1977 den Nobelpreis. Heute ist der Hypothalamus zentral für die Forschung zur Appetitregulation, etwa zu GLP-1- und Melanocortin-Signalwegen, sowie zu Wachstumshormon- und Reproduktionsachsen. Viele Peptidanaloga sind Nachbildungen hypothalamischer Hormone. Tiermodelle mit gezielten Veränderungen einzelner Kerngebiete lieferten dafür wichtige Grundlagen.
Einordnung
Hypothalamus und Hypophyse werden häufig verwechselt oder gleichgesetzt. Der Hypothalamus ist Teil des Gehirns und gibt übergeordnete Signale, die Hypophyse ist eine Hormondrüse, die diese Signale in die Freisetzung eigener Hormone umsetzt. Beide bilden gemeinsam eine funktionelle Einheit.