Pankreas
BiologieBauchspeicheldrüse. Doppelfunktion als endokrines (Insulin, Glukagon, Somatostatin) und exokrines (Verdauungsenzyme) Organ. Die endokrinen Inseln des Pankreas sind primärer Wirkort von GLP-1-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid.
Ausführlich erklärt
Das Pankreas liegt hinter dem Magen und besteht zum weitaus größten Teil aus exokrinem Gewebe. Die Azinuszellen bilden Verdauungsenzyme wie Trypsinogen, Lipase und Amylase, die über den Pankreasgang in den Zwölffingerdarm gelangen. Nur ein kleiner Anteil des Organs entfällt auf die Langerhans-Inseln, verstreute Zellhaufen mit endokriner Funktion.
In den Inseln arbeiten verschiedene Zelltypen zusammen: β-Zellen bilden Insulin, α-Zellen Glukagon, δ-Zellen Somatostatin und PP-Zellen das pankreatische Polypeptid. Die Hormone beeinflussen sich gegenseitig. Steigt nach einer Mahlzeit der Blutzucker, schütten β-Zellen Insulin aus, während Somatostatin lokal bremsend auf beide anderen Hormone wirkt. So entsteht ein fein abgestimmtes Regelsystem.
Bedeutung in der Peptidforschung
Für die Peptidforschung ist das Pankreas zentral, weil viele Stoffwechselpeptide hier ansetzen. GLP-1-Rezeptoren auf β-Zellen vermitteln die glukoseabhängige Insulinfreisetzung, Glukagon und GIP wirken ebenfalls auf die Inselzellen. Studien zu zugelassenen Wirkstoffen wie Semaglutid und Tirzepatid und zu experimentellen Mehrfachagonisten wie Retatrutid erfassen daher Parameter der Inselfunktion. Gleichzeitig wird die Pankreatitis als mögliche Nebenwirkung in Zulassungsstudien beobachtet.
Einordnung
GLP-1-Rezeptoren finden sich nicht nur im Pankreas, sondern auch im Gehirn, im Magen-Darm-Trakt und im Herz. Effekte auf Appetit und Körpergewicht werden überwiegend zentralen Mechanismen zugeschrieben. Das Pankreas ist daher ein wichtiger, aber nicht der einzige Wirkort.