Vancomycin
PharmakologieGlykopeptid-Antibiotikum und Reservewirkstoff gegen grampositive Erreger wie MRSA. Hemmt die bakterielle Zellwandsynthese. Zunehmende Resistenzen (VRE) und Nephrotoxizität limitieren den Einsatz.
Ausführlich erklärt
Vancomycin wurde in den 1950er Jahren aus einem Bodenbakterium isoliert, das heute Amycolatopsis orientalis heißt. Es ist ein Heptapeptid-Grundgerüst mit ungewöhnlichen, teils nicht-proteinogenen Aminosäuren, das mehrfach quervernetzt und mit Zuckerresten versehen ist. Hergestellt wird es nicht an Ribosomen, sondern durch große Enzymkomplexe, sogenannte nicht-ribosomale Peptidsynthetasen.
Der Wirkmechanismus unterscheidet sich von dem der Penicilline: Vancomycin bindet über Wasserstoffbrücken an das Ende der Zellwandbausteine, die Sequenz D-Alanyl-D-Alanin, und blockiert so deren Einbau in die Zellwand. Bei resistenten Enterokokken (VRE) ist dieses Ende zu D-Alanyl-D-Laktat verändert, wodurch die Bindung stark geschwächt wird. Gramnegative Bakterien sind durch ihre äußere Membran von Natur aus geschützt, weil das große Molekül sie nicht durchdringt.
Bedeutung in der Peptidforschung
Für die Peptidforschung ist Vancomycin ein Paradebeispiel dafür, dass Peptid-Naturstoffe als Arzneimittel etabliert sind. Die Entdeckung seines Resistenzmechanismus trieb die Entwicklung halbsynthetischer Lipoglykopeptide wie Telavancin, Dalbavancin und Oritavancin voran. Zudem dient Vancomycin als Vergleichssubstanz in Studien zu antimikrobiellen Peptiden.
Einordnung
Vancomycin ist ein zugelassenes, verschreibungspflichtiges Arzneimittel, dessen Einsatz ärztlich gesteuert und oft mit Spiegelbestimmungen begleitet wird. Es ist nicht mit körpereigenen antimikrobiellen Peptiden wie Defensinen zu verwechseln, die über Membranschädigung wirken.