Glykopeptid-Antibiotika
PharmakologieKlasse großer Glykopeptide (z. B. Vancomycin, Teicoplanin), die die bakterielle Zellwandsynthese hemmen. Gelten als Reserveantibiotika gegen grampositive Erreger wie MRSA. Resistenzen nehmen zu (VRE. Vancomycin-resistente Enterokokken).
Ausführlich erklärt
Glykopeptid-Antibiotika sind Naturstoffe aus Bodenbakterien aus der Gruppe der Actinomyceten oder deren halbsynthetische Abkömmlinge. Ihr Kern ist ein stark vernetztes, ringförmiges Heptapeptid, an das Zuckerreste gebunden sind. Sie wirken nicht wie Penicillin auf ein Enzym, sondern binden direkt an das Ende der Zellwandbausteine, die Aminosäurefolge D-Alanyl-D-Alanin. Dadurch blockieren sie den Einbau neuer Bausteine in die Zellwand.
Wegen ihrer Größe können Glykopeptide die äußere Membran gramnegativer Bakterien kaum durchdringen und sind daher vorwiegend gegen grampositive Keime aktiv. Bei Vancomycin-resistenten Enterokokken ist das Zielmotiv zu D-Alanyl-D-Laktat verändert, was die Bindung stark schwächt. Neuere Lipoglykopeptide wie Dalbavancin oder Oritavancin tragen zusätzlich eine fettlösliche Seitenkette, die unter anderem die Verweildauer verlängert.
Bedeutung in der Peptidforschung
Auf PeptidWiki stehen Glykopeptide als Beispiel dafür, dass Peptide seit Jahrzehnten als zugelassene Arzneistoffe etabliert sind. Sie zeigen, wie Naturstoffchemie, Zuckermodifikation und Lipidanker die Eigenschaften eines Peptids verändern. In der Resistenzforschung dienen sie zudem als Modell, um Mechanismen wie den Umbau des Zielmotivs auf molekularer Ebene zu verstehen.
Einordnung
Glykopeptid-Antibiotika sind nicht mit Glykoproteinen oder mit antimikrobiellen Peptiden der Immunabwehr gleichzusetzen, die meist kleiner sind und anders wirken. Ihr Einsatz gehört in ärztliche Hand, unter anderem wegen möglicher Nieren- und Hörschäden.