Zonulin
BiologieKörpereigenes Protein, das die Permeabilität der Tight Junctions in der Darmschleimhaut reguliert. Bei Zöliakie und manchen Autoimmunerkrankungen erhöht. Larazotid wirkt als Zonulin-Antagonist und soll die Darmbarriere stabilisieren.
Ausführlich erklärt
Zonulin wurde um das Jahr 2000 von der Arbeitsgruppe um Alessio Fasano beschrieben. Später wurde es als Prä-Haptoglobin-2 identifiziert, die unreife Vorstufe des Bluteiweißes Haptoglobin, die nur Menschen mit einer bestimmten Genvariante bilden. Zonulin soll über den Rezeptor PAR2 und den EGF-Rezeptor Signalketten auslösen, die zu einem Umbau des Aktin-Zytoskeletts und einer Öffnung der Tight Junctions führen.
Als Auslöser der Freisetzung gelten in Zellkulturstudien bestimmte Bestandteile des Glutens, genauer Gliadin-Fragmente, sowie Kontakt mit Bakterien im Dünndarm. Die Entdeckung ging auf ein bakterielles Toxin von Vibrio cholerae zurück, das Zonula-occludens-Toxin, dessen Wirkung auf die Darmbarriere einem körpereigenen Molekül ähnelte.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidforschung ist Zonulin vor allem als Zielstruktur des experimentellen Oktapeptids Larazotid bekannt, das in Studien zur Zöliakie untersucht wurde. Ein Phase-3-Programm wurde nach einer Zwischenanalyse eingestellt. Zudem erscheint Zonulin in Studien zu Autoimmunerkrankungen und Stoffwechsel als möglicher Marker der Darmdurchlässigkeit, allerdings mit uneinheitlichen Ergebnissen.
Einordnung
Kommerzielle Zonulin-Tests stehen in der Kritik, weil einige offenbar nicht Prä-Haptoglobin-2, sondern andere verwandte Proteine erfassen. Die Aussagekraft einzelner Messwerte ist daher umstritten, auch weil standardisierte Referenzbereiche fehlen. Larazotid ist nicht zugelassen.