Lässt sich NAD+ doch schlucken? Drei Fragen an einen Studienautor
Eine Studie von 2026 fand bei einer speziellen oralen NAD+-Form mehr NAD in Blutzellen. Wir haben einen der Autoren gefragt, was das Ergebnis zeigt und was nicht.
Worum es geht
Lange galt NAD+ als Wirkstoff, der geschluckt kaum etwas bewirkt. Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie von 2026 fand für eine physikalisch-chemisch aufbereitete orale Form (LNAD+) nach fünf Tagen rund 53 Prozent mehr NAD in Blutzellen als unter Placebo. Wir haben unsere NAD+-Seite daraufhin aktualisiert.
Auf die Studie aufmerksam gemacht hat uns Michael Leitz-Langan, MD, einer ihrer Mitautoren. Er ist für Bryleos tätig, den Hersteller der Formulierung, der die Studie auch finanziert hat. Seine Antworten geben wir übersetzt und leicht gekürzt wieder. Die Einordnung am Ende stammt von der Redaktion.
Was hat die Studie gezeigt, und was zeigt sie nicht?
Michael Leitz-Langan: In unserer randomisierten, placebokontrollierten Studie lag das NAD in den Blutzellen nach fünf Tagen mit oralem LNAD+ an Tag 6 um etwa 53 Prozent höher als unter Placebo. Auch nachgelagerte NAD-Abbauprodukte stiegen, und kurzfristig wurde die Einnahme gut vertragen. Damit ist eine messbare biologische Reaktion auf diese Formulierung belegt. Ein klinischer Nutzen und die Sicherheit über längere Zeit sind noch nicht gezeigt.
Zusätzliche Auswertungen von Stoffwechselprodukten und Proteinen, die noch nicht veröffentlicht sind, deuten auf Veränderungen in Stoffwechselwegen für Energie, Redox-Gleichgewicht und Zellsignale hin. Wir bereiten sie als explorative Daten zur Veröffentlichung vor.
Warum stieg das NAD in den Zellen, im Plasma aber nicht?
Michael Leitz-Langan: NAD in Blutzellen und NAD im Plasma sind getrennte Speicher. Der Spiegel in den Zellen kann also steigen, ohne dass sich NAD dauerhaft im Plasma anreichert. Denkbar ist, dass intaktes NAD aufgenommen wird, dass es zu Zwischenprodukten abgebaut wird, aus denen die Zellen NAD neu bilden, oder beides. Welcher Weg wie viel beiträgt, klärt die Studie nicht.
Noch unveröffentlichte Versuche an Mäusen deuten darauf hin, dass Blut und Gewebe zeitlich unterschiedlich und unterschiedlich lange reagieren können. Darüber wollen wir gesondert berichten. Wichtig ist deshalb, zu messen, wo sich NAD verändert und wie lange. Befunde aus Tierversuchen belegen allerdings keine Effekte im menschlichen Gewebe.
Was müsste als Nächstes geklärt werden?
Michael Leitz-Langan: Vorrangig sind größere unabhängige Studien, eine längere Nachbeobachtung, Studien zur Dosis-Wirkungs-Beziehung und direkte Messungen von NAD im Gewebe, der Zellfunktion und relevanter klinischer Endpunkte. Unsere geplanten Veröffentlichungen zu Multi-Omics und Mausversuchen sollen helfen, gezielte Hypothesen zu prüfen. Wir freuen uns über externe Forschende, die LNAD+ untersuchen und über Kooperationen sprechen möchten, auch über unabhängige Wiederholungen und sorgfältig geplante Vergleiche mit anderen NAD-Ansätzen. Am Ende geht es darum, wo die biochemische Reaktion zu einem messbaren Nutzen führt, für wen und unter welchen Bedingungen.
Wer an einer Zusammenarbeit oder an unabhängiger Forschung mit LNAD+ interessiert ist, kann sich gern über LinkedIn bei mir melden.
Einordnung der Redaktion
Die Studie zeigt eine deutliche Veränderung eines Messwerts im Blut, mehr nicht. Sie lief fünf Tage, wurde vom Hersteller finanziert und ist bislang nicht unabhängig wiederholt. Bei Wohlbefinden und klinischen Laborwerten fand sie keinen gesicherten Unterschied. Die erwähnten Daten zu Mäusen, Stoffwechselprodukten und Proteinen sind noch nicht veröffentlicht, wir konnten sie nicht prüfen. Für herkömmliche NAD+-Kapseln sagt das Ergebnis nichts aus.
Die wichtigsten Fakten zu NAD+ stehen auf unserer NAD+-Seite.
- [1]Oral LNAD+ rapidly elevates whole blood intracellular NAD and metabolic flux without elevating plasma NAD: evidence from a randomized controlled trialKornilov SA, et al.GeroScience2026StudieQuelle aufrufen