DSIP
NeurologieDelta Sleep-Inducing Peptide. Nonapeptid (9 Aminosäuren), 1974 in Basel von Marcel Monnier aus dem Thalamus schlafender Kaninchen isoliert. Endogen im menschlichen Plasma nachweisbar. Frühe schlafinduzierende Befunde sind methodisch heterogen und konnten nicht zuverlässig repliziert werden.
Ausführlich erklärt
DSIP hat die Sequenz Trp-Ala-Gly-Gly-Asp-Ala-Ser-Gly-Glu und wurde von der Basler Gruppe um Marcel Monnier aus dem venösen Hirnblut von Kaninchen gewonnen, bei denen durch elektrische Reizung des Thalamus ein schlafähnlicher Zustand ausgelöst worden war. Die Idee dahinter: Ein im Schlaf freigesetzter Botenstoff sollte bei Übertragung auf andere Tiere ebenfalls Schlaf fördern.
Bis heute ist unklar, wie DSIP biologisch wirkt. Ein spezifisches Gen und ein eigener Rezeptor konnten nicht eindeutig identifiziert werden. Diskutiert werden Wechselwirkungen mit verschiedenen Neurotransmittersystemen sowie Einflüsse auf Stresshormone. Chemisch ist DSIP im Blut vergleichsweise kurzlebig, es wird durch Peptidasen rasch gespalten. Wie es die Blut-Hirn-Schranke in relevanter Menge überwinden könnte, ist ebenfalls nicht geklärt.
Bedeutung in der Peptidforschung
DSIP taucht auf PeptidWiki auf, weil es als experimentelles Neuropeptid häufig erwähnt wird. Die Literatur stammt überwiegend aus den 1970er- bis 1990er-Jahren, mit kleinen Humanstudien und uneinheitlichen Ergebnissen zu Schlaf, Stress und Schmerzwahrnehmung. Moderne, gut kontrollierte Studien fehlen weitgehend. DSIP ist im DACH-Raum nicht als Arzneimittel zugelassen.
Einordnung
Der Name suggeriert eine gesicherte Funktion, die nicht belegt ist. Er beschreibt die Hypothese der Entdecker, nicht einen etablierten Mechanismus. Die Einstufung als endogenes Schlafhormon gilt in der aktuellen Schlafforschung als nicht bestätigt.