GIP
EndokrinologieGlucose-dependent Insulinotropic Polypeptide. Inkretinhormon des Dünndarms, das nach dem Essen die Insulinsekretion stimuliert. Wirkt komplementär zu GLP-1. Tirzepatid und Retatrutid sind Dual-/Triple-Agonisten am GIP-Rezeptor.
Ausführlich erklärt
GIP besteht aus 42 Aminosäuren und wird von K-Zellen im oberen Dünndarm gebildet, vor allem nach Aufnahme von Fett und Kohlenhydraten. Zusammen mit GLP-1 vermittelt es den Inkretineffekt: Glukose über den Darm aufgenommen löst eine deutlich stärkere Insulinfreisetzung aus als dieselbe Menge direkt ins Blut gegeben. Die Insulinwirkung ist glukoseabhängig, sie tritt also vor allem bei erhöhtem Blutzucker auf.
GIP-Rezeptoren finden sich außer in den β-Zellen auch im Fettgewebe, in Knochenzellen und im Gehirn. Im Unterschied zu GLP-1 kann GIP bei niedrigem Blutzucker die Glukagonausschüttung eher fördern. Wie GLP-1 wird natürliches GIP schnell durch das Enzym DPP-4 inaktiviert. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist die insulinfreisetzende Wirkung von GIP deutlich abgeschwächt.
Bedeutung in der Peptidforschung
Lange galt GIP pharmakologisch als wenig interessant, gerade weil seine Wirkung bei Typ-2-Diabetes vermindert ist. Mit Tirzepatid, das in der EU zugelassen ist, rückte es in den Mittelpunkt. Experimentelle Triple-Agonisten wie Retatrutid enthalten ebenfalls eine GIP-Komponente. Parallel werden Antikörper untersucht, die den GIP-Rezeptor blockieren. Beides zeigt, wie unklar die optimale Richtung noch ist.
Einordnung
Die ursprüngliche Bezeichnung lautete Gastric Inhibitory Polypeptide, weil man zuerst eine Hemmung der Magensäure beschrieb. Dass sowohl Agonisten als auch Antagonisten des GIP-Rezeptors in Studien Gewichtseffekte zeigen, gilt als offenes Paradox der Stoffwechselforschung.