Halbwertszeit
PharmakologieZeit, nach der die Konzentration eines Wirkstoffs im Blut auf die Hälfte des Ausgangswertes gesunken ist. Entscheidend für die Dosierungsfrequenz.
Ausführlich erklärt
Die Eliminationshalbwertszeit ist ein pharmakokinetischer Kennwert. Folgt der Abbau einer Kinetik erster Ordnung, halbiert sich die Konzentration in jedem gleichen Zeitabschnitt, unabhängig davon, wie hoch sie gerade ist. Nach etwa vier bis fünf Halbwertszeiten ist ein Stoff weitgehend aus dem Blut verschwunden. Die Halbwertszeit hängt vom Verteilungsvolumen und von der Clearance ab, also davon, wie schnell Leber, Nieren oder Enzyme den Stoff entfernen.
Bei Peptiden sind die Unterschiede enorm. Natürliches GLP-1 oder GHRH wird im Blut innerhalb von Minuten durch Enzyme gespalten. Durch gezielte Modifikationen, etwa die Bindung an Albumin, lassen sich Halbwertszeiten von mehreren Tagen erreichen. Ein Beispiel ist Semaglutid, dessen Halbwertszeit rund eine Woche beträgt.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidforschung ist die Halbwertszeit oft der Hauptgrund für chemische Veränderungen am natürlichen Vorbild. Verfahren wie PEGylierung, Fettsäureketten, der Austausch einzelner Aminosäuren oder die Zyklisierung zielen darauf, den Abbau zu verlangsamen. Für viele experimentelle Peptide sind Halbwertszeiten beim Menschen nur ungenau oder gar nicht bestimmt.
Einordnung
Die Plasmahalbwertszeit ist nicht gleichbedeutend mit der Wirkdauer. Ein Peptid kann längst aus dem Blut verschwunden sein, während nachgeschaltete Effekte noch andauern. Auch biologische und physikalische Halbwertszeit, etwa bei Radioisotopen, meinen etwas anderes.