Leptinresistenz
EndokrinologieVerminderte Empfindlichkeit hypothalamischer Neurone gegenüber Leptin. Trotz erhöhter Leptin-Spiegel bleibt das Sättigungssignal aus, ein zentraler Mechanismus, der Adipositas aufrechterhält und das Abnehmen erschwert.
Ausführlich erklärt
Leptinresistenz beschreibt den Befund, dass hohe Leptinspiegel bei Adipositas die Nahrungsaufnahme kaum dämpfen. Diskutiert werden mehrere Mechanismen. Erstens könnte der Transport von Leptin über die Blut-Hirn-Schranke begrenzt sein. Zweitens hemmen Proteine wie SOCS3 und die Phosphatase PTP1B die Signalweiterleitung im Inneren der Nervenzellen. Drittens scheinen Entzündungsprozesse im Hypothalamus, ausgelöst etwa durch fettreiche Ernährung im Tiermodell, die Reaktionsfähigkeit der Neurone zu mindern.
Ein anschauliches Experiment: Mäuse mit ernährungsbedingter Adipositas reagieren auf zusätzlich gegebenes Leptin deutlich schwächer als schlanke Tiere. Mäuse, denen SOCS3 in bestimmten Neuronen fehlt, sind dagegen empfindlicher. Beim Menschen ist die Lage schwieriger zu messen, weil es keinen etablierten Labortest für Leptinresistenz gibt.
Bedeutung in der Peptidforschung
Das Konzept erklärt, warum Leptin selbst als Wirkstoff bei gewöhnlicher Adipositas enttäuschte, und motiviert Forschung zu Leptin-Sensitizern. In Tierstudien wurden Substanzen wie Amylin oder der Naturstoff Celastrol untersucht, die die Leptinantwort wiederherstellen sollen. Auch bei Inkretin-basierten Wirkstoffen wird diskutiert, ob Gewichtsabnahme die Empfindlichkeit teilweise verbessert. Diese Fragen sind überwiegend präklinisch.
Einordnung
Leptinresistenz ist ein physiologisches Modell, keine klinische Diagnose. Manche Forschende argumentieren, dass die Resistenz eher Folge als Ursache der Adipositas ist. Nicht zu verwechseln ist sie mit angeborenem Leptinmangel, einer sehr seltenen genetischen Störung.