Adipositas
PharmakologieMedizinischer Fachbegriff für Fettleibigkeit (BMI ≥ 30 kg/m²). Anerkannte chronische Erkrankung mit erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gelenkverschleiß. Hauptindikation für GLP-1-Agonisten wie Semaglutid (Wegovy®).
Ausführlich erklärt
Adipositas wird nach der Weltgesundheitsorganisation über den Body-Mass-Index eingeteilt, also das Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ab einem BMI von 30 spricht man von Adipositas, gestuft in drei Grade. Der BMI erfasst jedoch weder Fettverteilung noch Muskelmasse. Ergänzend werden daher Taillenumfang oder das Verhältnis von Taille zu Körpergröße herangezogen, da vor allem viszerales Fett im Bauchraum mit Stoffwechselrisiken zusammenhängt.
Biologisch ist Adipositas ein komplexes Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Umwelt, Verhalten und hormoneller Regulation. Hormone wie Leptin, Ghrelin und GLP-1 steuern Hunger und Sättigung, wobei bei Adipositas etwa eine Leptinresistenz beobachtet wird.
Bedeutung in der Peptidforschung
Adipositas ist eines der aktivsten Felder der Peptidforschung. Mit Semaglutid, Liraglutid und Tirzepatid sind in der EU mehrere peptidbasierte Wirkstoffe für das Gewichtsmanagement unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen. Experimentelle Mehrfachagonisten wie Retatrutid, das zusätzlich den Glukagonrezeptor anspricht, oder Kombinationen mit Amylin-Analoga werden derzeit in klinischen Studien untersucht und sind nicht zugelassen.
Einordnung
Die Einordnung der Adipositas als chronische Krankheit ist fachlich weitgehend etabliert, wird aber gesellschaftlich und in der Kostenerstattung unterschiedlich gehandhabt. Diskutiert wird zudem, den BMI durch Kriterien zu ergänzen, die Organfunktion und Fettverteilung stärker berücksichtigen.