PDC
PharmakologiePeptide-Drug Conjugate, kurzes Peptid als zielsteuerndes Element, das einen zytotoxischen Wirkstoff über einen Linker direkt an Tumorzellen liefert. Vorteil gegenüber ADCs: kleiner, billiger herzustellen, bessere Tumorpenetration.
Ausführlich erklärt
Ein Peptid-Wirkstoff-Konjugat besteht aus drei Bausteinen: einem Peptid, das an einen auf Zielzellen gehäuft vorkommenden Rezeptor bindet, einem Linker als chemischer Verbindungsstelle und einer Nutzlast, meist einem stark zellschädigenden Molekül oder einem Radionuklid. Nach der Bindung wird das Konjugat häufig in die Zelle aufgenommen, wo der Linker durch Enzyme oder den sauren pH-Wert in Endosomen gespalten wird und die Nutzlast freisetzt.
Ein gut untersuchtes Beispiel sind Somatostatin-Analoga, die an Somatostatin-Rezeptoren neuroendokriner Tumoren binden. Koppelt man sie an ein radioaktives Isotop statt an ein Zytostatikum, spricht man von Peptid-Radioligand-Konjugaten, die methodisch eng mit PDCs verwandt sind. Auch Konjugate mit Bombesin- oder Integrin-bindenden Peptiden wurden präklinisch geprüft.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidforschung stehen PDCs für den Versuch, die hohe Rezeptorselektivität kurzer Peptide mit der Wirkstärke klassischer Zytostatika zu verbinden. Studien befassen sich vor allem mit Linker-Stabilität im Blut, Nierenausscheidung und Aufnahme in Tumorgewebe. Viele Kandidaten befinden sich in präklinischen oder frühen klinischen Phasen, weshalb Aussagen zu Nutzen und Risiken meist vorläufig bleiben.
Einordnung
PDCs sind nicht mit ADCs gleichzusetzen: Dort übernimmt ein vollständiger Antikörper die Zielsteuerung. Die geringere Größe eines Peptids erleichtert die Gewebedurchdringung, verkürzt aber oft die Verweildauer im Blut. Welcher Ansatz im Einzelfall überlegen ist, lässt sich nicht pauschal beantworten.