Pramlintide
EndokrinologieSynthetisches Amylin-Analogon, in den USA als Symlin® zur ergänzenden Diabetes-Therapie zugelassen. Muss mehrfach täglich subkutan injiziert werden. Eloralintide ist eine wöchentlich injizierbare Weiterentwicklung.
Ausführlich erklärt
Pramlintid ist ein synthetisches Analogon des Hormons Amylin, das gemeinsam mit Insulin von den Betazellen der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird. Natürliches menschliches Amylin neigt stark zur Aggregation, also zur Bildung unlöslicher Fibrillen, und ist deshalb als Wirkstoff kaum handhabbar. Bei Pramlintid wurden drei Aminosäuren durch Prolin ersetzt, angelehnt an die Sequenz des Ratten-Amylins, das nicht aggregiert.
Amylin wirkt über Rezeptoren, die aus dem Calcitonin-Rezeptor und sogenannten RAMP-Proteinen (Receptor Activity-Modifying Proteins) zusammengesetzt sind. Beschrieben sind eine verlangsamte Magenentleerung, eine Hemmung der Glukagonfreisetzung nach Mahlzeiten und Effekte auf Sättigungszentren im Hirnstamm. Pramlintid ist damit ein frühes Beispiel dafür, wie man ein instabiles natürliches Peptid durch gezielten Aminosäureaustausch arzneimitteltauglich macht.
Bedeutung in der Peptidforschung
Für die Peptidforschung ist Pramlintid vor allem als Ausgangspunkt der Amylin-Forschung relevant. Neuere, länger wirksame Amylin-Analoga und kombinierte Amylin- und Calcitonin-Rezeptoragonisten wie Cagrilintid werden derzeit in klinischen Studien zu Stoffwechsel und Körpergewicht untersucht, teils in Kombination mit GLP-1-Rezeptoragonisten. Die Erfahrungen mit Pramlintid prägen dabei Fragestellungen zu Verträglichkeit und Formulierung.
Einordnung
Pramlintid ist in den USA zugelassen, in der EU und der Schweiz jedoch nicht als Arzneimittel verfügbar. Neuere Amylin-Analoga sind experimentell. PeptidWiki gibt keine Anwendungsempfehlungen, individuelle Fragen gehören zu Ärztin oder Arzt.