Amylin
EndokrinologiePeptidhormon, das gemeinsam mit Insulin von den pankreatischen β-Zellen ausgeschüttet wird. Verlangsamt die Magenentleerung, hemmt Glukagon und wirkt sättigend im Hirnstamm/Hypothalamus. Pramlintide und Eloralintide sind synthetische Amylin-Agonisten.
Ausführlich erklärt
Amylin, auch Islet Amyloid Polypeptide (IAPP) genannt, besteht aus 37 Aminosäuren und wird in den β-Zellen der Bauchspeicheldrüse zusammen mit Insulin in denselben Sekretgranula gespeichert. Nach einer Mahlzeit gelangen beide Hormone gemeinsam ins Blut. Der Amylin-Rezeptor ist ein Komplex aus dem Calcitonin-Rezeptor und einem Hilfsprotein namens RAMP, das die Bindungseigenschaften verändert.
Im Gehirn wirkt Amylin vor allem auf die Area postrema im Hirnstamm, eine Region ohne dichte Blut-Hirn-Schranke. Ein chemisches Detail erklärt, warum natürliches menschliches Amylin kaum als Wirkstoff taugt: Es neigt dazu, unlösliche Amyloidfibrillen zu bilden. Solche Ablagerungen finden sich in den Inselzellen vieler Menschen mit Typ-2-Diabetes. Pramlintid entstand durch Austausch einzelner Aminosäuren gegen Prolin, angelehnt an die Rattensequenz.
Bedeutung in der Peptidforschung
Amylin ist derzeit eines der aktiven Felder der Stoffwechselforschung. Neben Pramlintid, das in den USA zugelassen ist, werden langwirksame Amylin-Analoga und duale Amylin-Calcitonin-Rezeptoragonisten wie Cagrilintid untersucht, teils in Kombination mit Semaglutid. Eloralintid befindet sich in klinischer Entwicklung. Diese Substanzen sind im DACH-Raum nicht als Arzneimittel zugelassen.
Einordnung
Amylin ist nicht mit Amylase zu verwechseln, dem stärkespaltenden Verdauungsenzym. Auch der Begriff Amyloid bezeichnet allgemein fehlgefaltete Proteinablagerungen und ist nicht auf Amylin beschränkt. Langzeitdaten zu neuen Amylin-Analoga sind bisher begrenzt.