Retinopathie
PharmakologieErkrankung der Netzhaut, häufig als Komplikation von Diabetes (diabetische Retinopathie) oder Bluthochdruck. Schnell ansteigende GH/IGF-1-Spiegel können bestehende Retinopathien verschlechtern, weshalb diabetische Retinopathie eine Kontraindikation für GH-Sekretagoga ist.
Ausführlich erklärt
Die Netzhaut ist ein stark durchblutetes Nervengewebe. Bei der diabetischen Retinopathie schädigen dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte die kleinen Gefäße. Zunächst entstehen Aussackungen, sogenannte Mikroaneurysmen, kleine Blutungen und Fetteinlagerungen. Man spricht dann von nicht-proliferativer Retinopathie. Werden Bereiche der Netzhaut schlecht versorgt, bilden sie Wachstumsfaktoren wie VEGF, und es wachsen neue, brüchige Gefäße ein. Diese proliferative Form kann zu Glaskörperblutungen und Netzhautablösung führen.
Eine besondere Komplikation ist das Makulaödem, eine Schwellung im Bereich des schärfsten Sehens. Zur Beurteilung dienen die Spiegelung des Augenhintergrunds und die optische Kohärenztomographie, die Schichten der Netzhaut sichtbar macht.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidforschung spielt die Retinopathie in mehreren Zusammenhängen eine Rolle. In Studien zu Semaglutid wurde eine vorübergehende Verschlechterung bestehender diabetischer Retinopathie beobachtet, die mit einer raschen Blutzuckersenkung in Verbindung gebracht wird. Wachstumshormon und IGF-1 gelten als Faktoren, die Gefäßneubildung fördern können. Bei GH-Sekretagoga und IGF-1-bezogenen Peptiden ist die Netzhaut deshalb ein Sicherheitsthema.
Einordnung
Retinopathie ist nicht mit der Makuladegeneration gleichzusetzen, die altersbedingt ist. Wie stark einzelne experimentelle Peptide die Netzhaut beeinflussen, ist kaum untersucht. Augenärztliche Fragen gehören in fachärztliche Hände.