Schilddrüse
EndokrinologieSchmetterlingsförmige Hormondrüse am Hals, die T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) produziert. Reguliert Stoffwechsel, Herzfrequenz und Körpertemperatur. GLP-1-Agonisten erhöhen experimentell das Risiko von C-Zell-Karzinomen (medulläres Schilddrüsenkarzinom).
Ausführlich erklärt
Die Schilddrüse besteht aus vielen kleinen Bläschen, den Follikeln. Deren Zellen bilden das große Speicherprotein Thyreoglobulin, an das Jod angehängt wird. Aus diesem Vorrat werden bei Bedarf T4 und in geringerer Menge T3 freigesetzt. T4 gilt weitgehend als Vorstufe, das biologisch aktivere T3 entsteht zu einem großen Teil erst in den Geweben durch Enzyme namens Dejodasen.
Zwischen den Follikeln liegen die parafollikulären C-Zellen, die Calcitonin bilden. Sie stammen entwicklungsgeschichtlich aus einer anderen Zellreihe als die Follikelzellen. Ein alltagsnahes Beispiel für die Bedeutung von Jod ist die Kropfbildung in Jodmangelgebieten, die in Teilen des Alpenraums früher verbreitet war und durch jodiertes Speisesalz deutlich zurückging.
Bedeutung in der Peptidforschung
Für die Peptidforschung ist die Schilddrüse vor allem wegen der C-Zellen relevant. In Nagetierstudien führten GLP-1-Rezeptor-Agonisten zu C-Zell-Tumoren, weshalb die Fachinformationen zugelassener Wirkstoffe wie Liraglutid oder Semaglutid entsprechende Warnhinweise enthalten. Außerdem ist die Schilddrüsenachse über TRH und TSH mit Peptidhormonen verknüpft und wird in endokrinologischen Studien regelmäßig mit erfasst.
Einordnung
Menschliche C-Zellen besitzen deutlich weniger GLP-1-Rezeptoren als die von Nagetieren. Ob die Befunde aus Tierversuchen auf den Menschen übertragbar sind, ist nicht abschließend geklärt. Beobachtungsstudien lieferten bisher uneinheitliche Ergebnisse.