Calcitonin
EndokrinologieSchilddrüsenhormon der C-Zellen, das den Kalziumspiegel senkt. Im Monitoring bei GLP-1-Agonisten: Tierversuche zeigten C-Zell-Hyperplasie, beim Menschen bisher kein erhöhtes Risiko nachgewiesen. Baseline-Messung empfohlen.
Ausführlich erklärt
Calcitonin ist ein Peptid aus 32 Aminosäuren mit einer Disulfidbrücke am Anfang der Kette und einem amidierten Ende. Es entsteht in den C-Zellen der Schilddrüse und wird bei steigendem Kalziumspiegel ausgeschüttet. Über den Calcitonin-Rezeptor hemmt es Osteoklasten, also die knochenabbauenden Zellen, und verringert so die Freisetzung von Kalzium aus dem Knochen.
Beim Menschen ist die Bedeutung für den Kalziumhaushalt allerdings gering: Nach einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse bleibt der Kalziumspiegel in der Regel stabil. Ein Beispiel für die klinische Nutzung ist das Lachs-Calcitonin, das beim Menschen stärker wirkt als die körpereigene Form und früher breiter eingesetzt wurde.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidforschung spielt Calcitonin eine doppelte Rolle. Einerseits ist es ein Tumormarker für das medulläre Schilddrüsenkarzinom und wurde deshalb in Studien zu GLP-1-Rezeptor-Agonisten als Sicherheitsparameter gemessen. Andererseits gehört es zur Familie verwandter Peptide mit Amylin und CGRP. Duale Amylin-Calcitonin-Rezeptor-Agonisten wie Cagrilintid werden derzeit in Stoffwechselstudien untersucht.
Einordnung
Calcitonin ist nicht mit Calcitriol, dem aktiven Vitamin D, oder mit Parathormon zu verwechseln, das den Kalziumspiegel anhebt. Ob Routinemessungen von Calcitonin sinnvoll sind, wird in Fachkreisen unterschiedlich bewertet und ist eine ärztliche Einzelfallentscheidung.