Sekretagog
PharmakologieSubstanz, die die Freisetzung eines anderen Hormons aus einer Drüse stimuliert. GH-Sekretagoga (z. B. Ipamorelin, GHRP-6, MK-677) stimulieren die Hypophyse zur Wachstumshormon-Ausschüttung, ohne exogenes GH zuzuführen.
Ausführlich erklärt
Das Wort setzt sich aus „Sekret“ und dem griechischen „agogos“ (führend, treibend) zusammen. Sekretagoga wirken an den Zellen, die ein Hormon bilden und speichern, und lösen dessen Freisetzung aus. Die Regulation des Körpers bleibt dabei teilweise erhalten: Rückkopplungsmechanismen wie die hemmende Wirkung von Somatostatin oder IGF-1 können die Antwort begrenzen, was bei direkter Hormonzufuhr nicht in gleicher Weise gilt.
Bei Wachstumshormon gibt es zwei Hauptklassen. GHRH-Analoga wie Tesamorelin oder Sermorelin wirken am GHRH-Rezeptor. Ghrelin-Mimetika wie Ipamorelin, GHRP-6 oder das nicht peptidische Ibutamoren (MK-677) wirken am Ghrelin-Rezeptor, auch GHS-R1a genannt. Ein Beispiel außerhalb der Wachstumshormonachse: Sulfonylharnstoffe gelten als Insulin-Sekretagoga, weil sie die Insulinfreisetzung der Bauchspeicheldrüse fördern.
Bedeutung in der Peptidforschung
Auf PeptidWiki erscheint der Begriff bei zahlreichen Peptiden der Wachstumshormonachse. Die meisten GH-Sekretagoga sind experimentell und im DACH-Raum nicht als Arzneimittel zugelassen, ihre Daten stammen aus Tierstudien und kleineren Humanstudien. Tesamorelin ist in den USA für einen eng umrissenen Anwendungsbereich zugelassen, in der EU nicht. Studien messen typischerweise GH- und IGF-1-Spiegel sowie Stoffwechselparameter.
Einordnung
Ein Sekretagog ist vom Hormon selbst zu unterscheiden: Ipamorelin ist kein Wachstumshormon. Dass die körpereigene Regulation teilweise erhalten bleibt, bedeutet nicht, dass Sekretagoga risikoarm sind. Langzeitdaten zur Sicherheit sind für die meisten dieser Substanzen begrenzt.