Vagusnerv
BiologieDer zehnte Hirnnerv und längste Nerv des autonomen Nervensystems, verbindet Hirnstamm mit Herz, Lunge, Magen-Darm-Trakt und vielen weiteren Organen. Zentrale Verbindung der Darm-Hirn-Achse: Etwa 80 % der Vagusfasern leiten Information vom Darm zum Gehirn, nicht umgekehrt.
Ausführlich erklärt
Der Vagusnerv verlässt das Gehirn im verlängerten Mark und zieht durch Hals und Brustkorb bis in den Bauchraum. Er ist der wichtigste Nerv des Parasympathikus, also jenes Teils des autonomen Nervensystems, der für Erholung und Verdauung zuständig ist. Er senkt die Herzfrequenz, regt Magensaftbildung und Darmbewegung an und beeinflusst die Atemwege.
Der größere Teil seiner Fasern leitet jedoch Informationen zum Gehirn: Dehnungsrezeptoren im Magen und chemische Sensoren in der Darmwand melden über den Vagusnerv Füllungszustand und Nährstoffe. Die Zellkörper dieser Fasern liegen im Ganglion nodosum, ihre Signale erreichen den Nucleus tractus solitarii im Hirnstamm.
Bedeutung in der Peptidforschung
Für die Peptidforschung ist der Vagusnerv als Übertragungsweg von Darmhormonen bedeutsam. Rezeptoren für GLP-1, Cholecystokinin und andere Sättigungspeptide wurden auf vagalen Nervenfasern nachgewiesen. In Tierstudien wird untersucht, welcher Anteil der Effekte von GLP-1-Rezeptoragonisten über den Vagusnerv und welcher direkt im Gehirn vermittelt wird. Auch zu BPC-157 gibt es präklinische Arbeiten mit Bezug auf die Darm-Hirn-Achse.
Einordnung
Die genannten Prozentangaben zum Anteil sensorischer Fasern sind Schätzungen. Die elektrische Vagusnervstimulation ist ein eigenständiges medizintechnisches Verfahren und nicht mit Peptidwirkungen gleichzusetzen. Viele populäre Aussagen zur Darm-Hirn-Achse gehen über die Datenlage hinaus.