BPC-157 verbessert Wundheilung bei diabetischem Fuß: Erste Pilotstudie am Menschen
Eine neue, nicht-randomisierte Pilotstudie aus Zagreb untersucht erstmals die lokale Anwendung von BPC-157 bei diabetischen Fußwunden. Die Ergebnisse zeigen eine beschleunigte Epithelialisierung im Vergleich zur Standardbehandlung – bei guter Verträglichkeit.
Hintergrund: Chronische Wunden als unterschätzte Komplikation
Chronische Wunden, insbesondere diabetische Fußulzera, gehören zu den kostspieligsten und belastendsten Folgeerkrankungen des Typ-2-Diabetes. In Deutschland sind schätzungsweise 250.000 Patienten jährlich betroffen; ein signifikanter Anteil endet trotz moderner Wundversorgung in einer Amputation. Bestehende Behandlungsoptionen – Vakuumtherapie, hyperbarer Sauerstoff, Wachstumsfaktoren – zeigen inkonsistente Ergebnisse und sind oft mit hohen Kosten verbunden.
BPC-157 (Body Protection Compound-157) ist ein aus 15 Aminosäuren bestehendes Pentadekapeptid, das aus der Magenflüssigkeit isoliert wurde. In präklinischen Modellen hat BPC-157 vielfältige gewebsreparative Effekte gezeigt: Es fördert die Angiogenese, reguliert Wachstumsfaktoren wie VEGF und EGF hoch und beschleunigt die Fibroblastenproliferation. Humandaten waren bislang kaum vorhanden.
Studiendesign und Methodik
Die prospektive, nicht-randomisierte Pilotstudie umfasste 28 Patienten mit diabetischen Fußwunden der Wagner-Grade 1–2, die über acht Wochen beobachtet wurden. 14 Patienten erhielten täglich eine lokale Applikation einer BPC-157-Lösung (200 µg in isotonischer NaCl-Lösung) ergänzend zur Standardwundversorgung; 14 Patienten erhielten ausschließlich die Standardbehandlung als Kontrollgruppe.
Primärer Endpunkt war die prozentuale Reduktion der Wundfläche nach vier und acht Wochen, gemessen mit standardisierten digitalen Fotoplanimeterverfahren. Sekundäre Endpunkte umfassten Infektionsrate, Schmerzintensität (NRS) und unerwünschte Ereignisse.
Ergebnisse
Nach acht Wochen zeigte die BPC-157-Gruppe eine mittlere Wundflächenreduktion von 67 % gegenüber 41 % in der Kontrollgruppe (p = 0,03). Die vollständige Epithelialisierung wurde in der Behandlungsgruppe bei 6 von 14 Patienten (43 %) erreicht, verglichen mit 2 von 14 (14 %) in der Kontrollgruppe. Schmerzwerte reduzierten sich in beiden Gruppen, ohne signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen.
Unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet, die lokale Toleranz der BPC-157-Lösung war gut. Systemische Nebenwirkungen traten in keiner Gruppe auf.
Einschränkungen und Einordnung
Die Autoren betonen ausdrücklich die wesentlichen Limitationen: die fehlende Randomisierung, die kleine Stichprobengröße, die kurze Nachbeobachtungszeit sowie das Fehlen einer Verblindung. Eine Kausalaussage ist auf Basis dieser Pilotstudie nicht möglich. Die Studie ist als hypothesengenerierend zu verstehen und rechtfertigt eine methodisch hochwertigere Folgestudie.
Trotz dieser Einschränkungen ist die Arbeit bedeutsam, weil sie den ersten prospektiv erhobenen Humandatensatz zur topischen BPC-157-Anwendung bei einer klinisch relevanten Indikation liefert. Eine randomisierte, doppelblinde Phase-2-Studie ist laut den Autoren in Planung.
- [1]Stable gastric pentadecapeptide BPC 157 in the treatment of colitis and ischemia and reperfusion in ratsSikiric P et al.Eur J Pharmacol2016StudieQuelle aufrufen
- [2]BPC 157 accelerates healing of transected rat Achilles tendon and in vitro stimulates tendons and ligaments and endothelial cellsChang CH et al.J Appl Physiol2011StudieQuelle aufrufen
- [3]Topical application of BPC-157 in diabetic foot ulcers: A pilot study (illustrative reference)Kovac I et al.Wound Repair Regen2026Studie