Eloralintide: Neuer Amylin-Agonist erzielt bis zu 20 % Gewichtsreduktion in Phase-2-Studie
Eine 48-wöchige, randomisierte Phase-2-Studie mit 263 Teilnehmenden zeigt, dass Eloralintide (LY3841136) – ein selektiver Amylin-Rezeptor-Agonist von Eli Lilly – eine dosisabhängige Körpergewichtsreduktion von bis zu 20,1 % erzielte. Die Ergebnisse wurden im November 2025 in The Lancet publiziert und etablieren Amylin-Agonisten als eigenständige Wirkstoffklasse in der Adipositasforschung.
Hintergrund: Das Amylin-System als eigenständiger Angriffspunkt
Die Adipositasforschung ist seit Jahren vom Erfolg der GLP-1-Rezeptoragonisten (Semaglutid, Tirzepatid) geprägt. Doch der Hormonhaushalt rund um Sättigung und Energiebalance ist komplexer: Amylin – auch als Inselst-Amyloid-Polypeptid (IAPP) bekannt – ist ein Peptidhormon, das gemeinsam mit Insulin von den pankreatischen β-Zellen ausgeschüttet wird. Es verlangsamt die Magenentleerung, hemmt die Glukagon-Freisetzung und wirkt über Rezeptoren im Hirnstamm und Hypothalamus stark sättigend.
Eloralintide (LY3841136) ist ein langwirksamer, einmal wöchentlich subkutan applizierbarer selektiver Amylin-Rezeptor-Agonist. Im Gegensatz zum bereits zugelassenen Pramlintid – das täglich mehrfach gespritzt werden muss und eine eingeschränkte klinische Akzeptanz hat – wurde Eloralintide für einen deutlich komfortableren Einsatz in der Adipositastherapie konzipiert. Eine frühere Phase-2a-Studie gab erste Hinweise auf Wirksamkeit; die nun publizierte Phase-2-Studie liefert erstmals umfassende Dosisrangefindungsdaten.
Studiendesign: 48 Wochen, 7 Arme, 263 Teilnehmende
Die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-2-Studie (NCT06230523) wurde multizentrisch in den USA durchgeführt. Eingeschlossen wurden 263 Erwachsene im Alter von 18–75 Jahren mit Adipositas oder Übergewicht (BMI ≥ 30 kg/m² oder ≥ 27 kg/m² mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung) ohne Typ-2-Diabetes.
Die Teilnehmenden wurden in einem 2:1:1:1:2:1:2-Verhältnis auf sieben Arme randomisiert: Placebo sowie Eloralintide in Dosierungen von 1 mg, 3 mg, 6 mg und 9 mg (jeweils feste Dosen) oder Eskalationsschemata (6→9 mg bzw. 3→6→9 mg). Die Injektionen erfolgten einmal wöchentlich über 48 Wochen. Primärer Endpunkt war die prozentuale Körpergewichtsänderung gegenüber dem Ausgangswert.
Ergebnisse: Ausgeprägte, dosisabhängige Gewichtsreduktion
Nach 48 Wochen erzielten alle Eloralintide-Arme statistisch signifikant höhere Gewichtsreduktionen als Placebo (–0,4 % bzw. –0,2 kg). Die Ergebnisse nach Dosisarm:
• 9 mg: –20,1 % (–21,3 kg) • 6→9 mg-Eskalation: –19,9 % (–21,0 kg) • 6 mg: –17,6 % (–18,7 kg) • 3→6→9 mg-Eskalation: –16,4 % (–17,8 kg) • 3 mg: –12,4 % (–13,3 kg) • 1 mg: –9,5 % (–10,2 kg) • Placebo: –0,4 % (–0,2 kg)
Die Dosisabhängigkeit ist bemerkenswert ausgeprägt: Das Wirkungsgefälle zwischen 1 mg und 9 mg umfasst mehr als zehn Prozentpunkte. Selbst die niedrigste Dosis (1 mg) erzielte mit –9,5 % klinisch relevante Gewichtsreduktionen. Diese Werte sind vergleichbar mit oder übertreffen die Phase-2-Ergebnisse von Semaglutid und bewegen sich in einem für die Klasse bemerkenswert hohen Bereich.
Sicherheit und Verträglichkeit
Das Sicherheitsprofil folgte dem bekannten Muster gastrointestinal wirksamer Adipositasmedikamente: Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren leichte bis moderate Übelkeit und Fatigue, deren Inzidenz mit steigender Dosis zunahm. Bei der 6-mg-Gruppe wurde eine Übelkeitsrate von rund 64 % berichtet – ein Wert, der Fragen zur praktischen Tolerierbarkeit in der Breitenanwendung aufwirft.
Positiv zu vermerken: Die 1-mg- und 3-mg-Arme zeigten Nebenwirkungsraten, die denen von Placebo vergleichbar waren. Dies eröffnet potenzielle Titrationsschemata, bei denen höhere Wirkstufen erst nach Gewöhnung angesteuert werden. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht explizit als häufig berichtet; die Studie schloss keine Patienten mit vorbestehenden kardiovaskulären Ereignissen ein.
Einordnung: Ein neuer Mechanismus neben GLP-1
Die Bedeutung dieser Daten liegt nicht nur in den absoluten Gewichtsreduktionswerten, sondern im mechanistischen Unterschied zu GLP-1-Agonisten. Eloralintide wirkt über den Amylin-Rezeptor – einen von GLP-1 vollständig unabhängigen Sättigungsweg. Dies macht Kombinationstherapien grundsätzlich attraktiv: Erste Studien kombinieren Eloralintide bereits mit Tirzepatid (GLP-1/GIP-Doppelagonist) und Macupatide (GLP-1/Glucagon-Doppelagonist).
Die Studie wurde von Eli Lilly finanziert und die Ergebnisse parallel zur ObesityWeek 2025-Konferenz veröffentlicht. Als Phase-2-Studie mit begrenzter Stichprobengröße und fehlenden aktiven Komparatoren ist eine direkte Vergleichbarkeit mit zugelassenen Wirkstoffen noch nicht möglich. Phase-3-Studien sind angelaufen; eines davon – ausdrücklich auf Patienten mit Typ-2-Diabetes ausgerichtet – wird separat gemeldet.
- [1]Eloralintide, a selective amylin receptor agonist for the treatment of obesity: a 48-week phase 2, multicentre, double-blind, randomised, placebo-controlled trialBillings LK et al.The Lancet2025StudieQuelle aufrufen
- [2]Eloralintide (LY3841136), a novel amylin receptor agonist for the treatment of obesity: From discovery to clinical proof of conceptPubMed2025StudieQuelle aufrufen
- [3]Lilly's selective amylin agonist, eloralintide, demonstrated meaningful weight loss and favorable tolerability in a Phase 2 study2025PressemitteilungQuelle aufrufen