Angiogenese
BiologieNeubildung von Blutgefäßen aus bereits bestehenden. Wichtig für Wundheilung und Geweberegeneration, kann aber auch Tumorwachstum fördern.
Ausführlich erklärt
Bei der Angiogenese sprossen aus vorhandenen Kapillaren neue Gefäße aus. Ausgelöst wird der Prozess häufig durch Sauerstoffmangel im Gewebe: Zellen reagieren darauf mit der Freisetzung von Signalstoffen, allen voran VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor). Endothelzellen, also die Zellen der inneren Gefäßwand, lösen daraufhin ihre Verbindungen, bauen die umgebende Matrix ab, wandern in Richtung des Signals und bilden schließlich ein neues Röhrchen mit eigenem Blutfluss.
Gesteuert wird das Ganze durch ein Gleichgewicht aus fördernden und hemmenden Faktoren. Ein anschauliches Beispiel ist die Wundheilung: In frischem Granulationsgewebe entsteht ein dichtes Netz feiner Gefäße, das Sauerstoff und Nährstoffe heranbringt und sich später wieder zurückbildet. Von der Angiogenese abzugrenzen ist die Vaskulogenese, die Neubildung von Gefäßen aus Vorläuferzellen, vor allem in der Embryonalentwicklung.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidliteratur taucht Angiogenese vor allem bei Substanzen auf, die im Zusammenhang mit Geweberegeneration untersucht werden. Für BPC-157 und Thymosin Beta-4 beziehungsweise dessen Fragment TB-500 wurden in Zell- und Tiermodellen Effekte auf Gefäßneubildung beschrieben. Diese Daten sind überwiegend präklinisch. Umgekehrt werden in der Onkologie Peptide erforscht, die Angiogenese hemmen sollen.
Einordnung
Mehr Gefäßneubildung ist nicht automatisch wünschenswert. Tumoren sind für ihr Wachstum auf Angiogenese angewiesen, und auch bestimmte Augenerkrankungen gehen mit krankhafter Gefäßbildung einher. Ob Befunde aus Tiermodellen auf den Menschen übertragbar sind und welche Langzeitrisiken bestehen, ist für experimentelle Peptide weitgehend offen.