Bioverfügbarkeit
PharmakologieAnteil eines Wirkstoffs, der nach Einnahme tatsächlich im Blutkreislauf verfügbar ist. Oral aufgenommene Peptide werden im Magen-Darm-Trakt stark abgebaut (oft <5%). Subkutane Injektion ermöglicht nahezu vollständige Bioverfügbarkeit.
Ausführlich erklärt
Pharmakologisch beschreibt die Bioverfügbarkeit, welcher Anteil einer verabreichten Substanz unverändert den systemischen Blutkreislauf erreicht und wie schnell das geschieht. Als Referenz dient die intravenöse Gabe, bei der die Bioverfügbarkeit definitionsgemäß 100 Prozent beträgt. Bestimmt wird sie über die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve, kurz AUC, im Vergleich zwischen verschiedenen Verabreichungswegen.
Peptide stellen hier besondere Anforderungen. Im Magen-Darm-Trakt spalten Proteasen wie Pepsin und Trypsin sie in Bruchstücke, zudem passieren größere, polare Moleküle die Darmschleimhaut kaum. Oral verabreichtes Semaglutid enthält deshalb einen Resorptionsverstärker, der die Aufnahme über die Magenschleimhaut erleichtert. Dennoch erreicht nur ein sehr kleiner Anteil den Kreislauf.
Bedeutung in der Peptidforschung
Die Bioverfügbarkeit ist eine Schlüsselgröße, wenn Studien zu Peptiden verglichen werden. Viele präklinische Arbeiten zu experimentellen Peptiden wie BPC-157 verwenden unterschiedliche Verabreichungswege, ohne pharmakokinetische Daten beim Menschen zu liefern. Strategien wie die Anbindung von Fettsäuren, Cyclisierung oder der Einbau von D-Aminosäuren werden untersucht, um Stabilität und Aufnahme zu verbessern. Auch intranasale Formen werden erforscht.
Einordnung
Bioverfügbarkeit ist nicht mit Wirksamkeit gleichzusetzen. Ein Wirkstoff kann vollständig ins Blut gelangen und trotzdem am Zielort unwirksam sein, etwa wenn er die Blut-Hirn-Schranke nicht überwindet. Auch nach subkutaner Gabe schwankt die Bioverfügbarkeit je nach Peptid erheblich.