Glykopeptid
PharmakologiePeptid mit kovalent gebundenen Zuckerresten (Glykosylierung am N- oder O-Atom bestimmter Aminosäuren). Klinisch wichtigste Klasse: Glykopeptid-Antibiotika wie Vancomycin und Teicoplanin. Reservewirkstoffe gegen grampositive Erreger einschließlich MRSA.
Ausführlich erklärt
Glykopeptide tragen Zuckerketten, die an bestimmte Aminosäuren gebunden sind. Bei der N-Glykosylierung hängt der Zucker am Stickstoff der Seitenkette von Asparagin, bei der O-Glykosylierung am Sauerstoff von Serin oder Threonin. In Säugetierzellen erfolgt dies enzymatisch im endoplasmatischen Retikulum und im Golgi-Apparat, weshalb viele körpereigene Proteine und Peptide in unterschiedlich glykosylierten Varianten vorkommen.
Zuckerreste verändern Wasserlöslichkeit, Stabilität, Erkennung durch Rezeptoren und Immunreaktionen. Ein Beispiel ist Erythropoetin, ein Glykoprotein, bei dem der Anteil an Sialinsäure die Verweildauer im Blut beeinflusst. Bei den Glykopeptid-Antibiotika aus Bakterien sind die Zucker dagegen an aromatische Seitenketten eines stark quervernetzten Peptidgerüsts gebunden, das nicht an Ribosomen gebildet wird.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidforschung ist Glykosylierung ein Werkzeug, um Eigenschaften gezielt zu verändern. Durch künstlich angehängte Zucker wurde etwa versucht, die Halbwertszeit therapeutischer Peptide zu verlängern oder die Aufnahme ins Gehirn zu verbessern, meist in präklinischen Studien. Zudem sind Glykopeptide als Bestandteile von Tumorantigenen Gegenstand der Impfstoffforschung.
Einordnung
„Glykopeptid“ bezeichnet eine chemische Stoffklasse, „Glykopeptid-Antibiotika“ nur eine kleine Gruppe daraus. Die Abgrenzung zu Glykoproteinen ist fließend und richtet sich meist nach der Kettenlänge. Glykierung, eine nicht-enzymatische Zuckeranlagerung wie beim HbA1c, ist etwas anderes.