Hirnanhangsdrüse
BiologieUmgangssprachliche Bezeichnung für die Hypophyse, kleine endokrine Drüse an der Unterseite des Gehirns. Sie steuert über die Ausschüttung von Hormonen (GH, LH, FSH, TSH, ACTH, Prolaktin) zentrale Körperfunktionen wie Wachstum, Reproduktion und Stoffwechsel.
Ausführlich erklärt
Die Hirnanhangsdrüse sitzt in einer knöchernen Mulde der Schädelbasis, dem Türkensattel, und ist über einen Stiel mit dem Hypothalamus verbunden. Sie besteht aus zwei Teilen mit unterschiedlicher Herkunft. Der Vorderlappen, die Adenohypophyse, ist echtes Drüsengewebe und bildet unter anderem Wachstumshormon, Prolaktin, TSH, ACTH, LH und FSH. Der Hinterlappen, die Neurohypophyse, besteht aus Nervenfasern und speichert Oxytocin und Vasopressin, die im Hypothalamus gebildet werden.
Gesteuert wird der Vorderlappen durch Freisetzungs- und Hemmhormone des Hypothalamus. So regt GHRH die Wachstumshormonausschüttung an, Somatostatin bremst sie. Die meisten dieser Signalstoffe sind selbst Peptide.
Bedeutung in der Peptidforschung
Die Hirnanhangsdrüse ist Wirkort zahlreicher Peptide, die auf PeptidWiki beschrieben werden. GHRH-Analoga wie Sermorelin, Tesamorelin oder das experimentelle CJC-1295 und Ghrelin-Mimetika wie Ipamorelin wirken auf die somatotropen Zellen des Vorderlappens. GnRH-Analoga werden in der Reproduktionsmedizin und Onkologie eingesetzt. Studien messen die Hypophysenantwort meist über Hormonspiegel im Blut.
Einordnung
Hirnanhangsdrüse und Hypophyse bezeichnen dasselbe Organ, das eine ist der deutsche, das andere der medizinische Fachbegriff. Nicht zu verwechseln ist sie mit der Zirbeldrüse, die ebenfalls im Gehirn liegt, aber vor allem Melatonin bildet und andere Aufgaben hat.