Insulinsensitivität
EndokrinologieEmpfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin, höhere Sensitivität bedeutet bessere Glukoseaufnahme bei geringerem Insulinbedarf. MOTS-c, FGF-21 und körperliche Aktivität verbessern die Insulinsensitivität. Gegenteil: Insulinresistenz.
Ausführlich erklärt
Auf zellulärer Ebene beginnt die Insulinwirkung mit der Bindung an den Insulinrezeptor, eine Tyrosinkinase. Über Adapterproteine wie IRS-1 und die Signalkette PI3K und Akt wird der Glukosetransporter GLUT4 aus dem Zellinneren an die Zelloberfläche verlagert. Je reibungsloser diese Kette abläuft, desto mehr Glukose nehmen Muskel- und Fettzellen bei gleicher Insulinmenge auf.
Gemessen wird Insulinsensitivität auf verschiedene Weise. Der Goldstandard ist die hyperinsulinämisch-euglykämische Clamp, bei der Insulin konstant zugeführt und so viel Glukose infundiert wird, dass der Blutzucker stabil bleibt. In Alltagsstudien verwendet man einfachere Näherungen wie den HOMA-Index aus Nüchternglukose und Nüchterninsulin. Körperliche Aktivität steigert die Sensitivität der Muskulatur schon nach einer einzelnen Einheit.
Bedeutung in der Peptidforschung
Insulinsensitivität ist ein zentraler Endpunkt in Stoffwechselstudien. Bei zugelassenen GLP-1-Rezeptor-Agonisten verbessert sie sich meist parallel zur Gewichtsabnahme. Experimentelle Peptide wie MOTS-c oder FGF-21-Analoga wurden überwiegend in Zellkulturen und Tiermodellen auf ihren Einfluss untersucht. Bei Wachstumshormon und seinen Sekretagoga wird dagegen eine mögliche Verschlechterung der Insulinsensitivität als Sicherheitsaspekt beobachtet.
Einordnung
Insulinsensitivität ist nicht identisch mit einem normalen Blutzucker, denn eine verminderte Sensitivität kann lange durch mehr Insulin ausgeglichen werden. Ergebnisse aus Mausmodellen lassen sich nur eingeschränkt übertragen, weil sich Stoffwechsel und Messmethoden deutlich unterscheiden.