Melanocortin
EndokrinologieFamilie von Peptid-Hormonen (α-MSH, β-MSH, ACTH), die über MC1–MC5-Rezeptoren wirken. Steuern Pigmentierung, Sexualfunktion, Entzündung und Appetit. PT-141 (Bremelanotid) wirkt als Melanocortin-Rezeptor-Agonist im ZNS und löst so sexuelles Verlangen aus.
Ausführlich erklärt
Alle Melanocortine entstehen aus demselben Vorläuferprotein, dem Proopiomelanocortin (POMC). Je nach Gewebe schneiden unterschiedliche Enzyme daraus verschiedene Peptide heraus: in der Hypophyse überwiegend ACTH, in bestimmten Nervenzellen des Hypothalamus vor allem α-MSH. Gemeinsam ist ihnen ein kurzes Kernmotiv aus vier Aminosäuren, das für die Rezeptorbindung wichtig ist.
Die fünf Melanocortin-Rezeptoren MC1R bis MC5R haben unterschiedliche Aufgaben. MC1R in Pigmentzellen steuert die Bildung von dunklem Melanin, bestimmte Varianten dieses Rezeptors sind mit roten Haaren und heller Haut verbunden. MC2R bindet nur ACTH, MC4R im Gehirn ist entscheidend für die Sättigungsregulation. Körpereigene Gegenspieler wie AgRP blockieren diese Rezeptoren.
Bedeutung in der Peptidforschung
Die Melanocortin-Forschung hat mehrere Peptidwirkstoffe hervorgebracht. Afamelanotid, ein MC1R-Agonist, ist in der EU für eine seltene Lichtempfindlichkeitserkrankung zugelassen. Setmelanotid, ein MC4R-Agonist, ist für bestimmte genetisch bedingte Formen der Adipositas zugelassen. Bremelanotid (PT-141) ist in den USA zugelassen, in der EU nicht. Melanotan II ist ein nicht zugelassenes, experimentelles Peptid.
Einordnung
Da die Rezeptoren strukturell ähnlich sind, sprechen viele synthetische Melanocortin-Peptide mehrere Subtypen gleichzeitig an. Das erklärt, warum für Substanzen wie Melanotan II neben Pigmentierung auch Effekte auf Appetit oder Blutdruck beschrieben werden. Selektivität ist hier ein zentrales Forschungsthema.