Pulsatil
PharmakologieDosierungsmuster, das die natürliche, intervallmäßige Ausschüttung von Hormonen imitiert (z. B. GnRH alle 90–120 min). Gonadorelin und Kisspeptin müssen pulsatil (2–3×/Woche) verabreicht werden, nicht täglich, um Rezeptordesensibilisierung zu vermeiden.
Ausführlich erklärt
Viele Hormone werden nicht gleichmäßig, sondern in Schüben freigesetzt. Das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) wird von Nervenzellen im Hypothalamus in Pulsen abgegeben, gesteuert von einem Netzwerk, in dem Kisspeptin-Neurone eine zentrale Rolle spielen. Auch Wachstumshormon, Cortisol und Insulin zeigen pulsatile Muster, teils überlagert von einem Tagesrhythmus.
Die Pulsfrequenz trägt selbst Information. Ein Beispiel: An der Hypophyse fördern schnellere GnRH-Pulse eher die Freisetzung von luteinisierendem Hormon (LH), langsamere eher die von follikelstimulierendem Hormon (FSH). Ein Dauersignal ohne Pausen führt dagegen dazu, dass die Hypophyse kaum noch reagiert. In der klinischen Forschung wurden deshalb programmierbare Pumpen entwickelt, die GnRH in kurzen Abständen abgeben, um das natürliche Muster nachzubilden.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidliteratur erscheint der Begriff vor allem bei GnRH, Gonadorelin und Kisspeptin sowie bei Wachstumshormon-Sekretagoga. Studien untersuchen, ob eine Substanz die natürliche Pulsatilität verstärkt, verschiebt oder durch ein Dauersignal überlagert. Gemessen wird das über häufige Blutentnahmen in kurzen Abständen und spezielle statistische Verfahren zur Pulsanalyse, die einzelne Hormonschübe vom Hintergrundrauschen trennen.
Einordnung
Pulsatil bezeichnet ein physiologisches Freisetzungsmuster in Abständen von Minuten bis Stunden. Wenige Gaben pro Woche erzeugen kein pulsatiles Muster in diesem Sinn. PeptidWiki gibt keine Anwendungsempfehlungen. Nicht zugelassene Peptide sind im DACH-Raum keine Arzneimittel, individuelle Fragen gehören zu Ärztin oder Arzt.