Tiermodell
WissenschaftTierexperiment (meist Ratten oder Mäuse) zur Untersuchung von Wirkungen, die am Menschen noch nicht vertretbar oder möglich sind. Metabolismus und Dosierungen unterscheiden sich erheblich vom Menschen, hohe Transferrate in Humanstudien gelingt selten.
Ausführlich erklärt
Ein Tiermodell ist mehr als ein Versuchstier: Es bildet einen bestimmten Zustand nach, der untersucht werden soll. Dazu gehören etwa chirurgisch gesetzte Sehnen- oder Muskelverletzungen, chemisch ausgelöste Darmentzündungen, durch Diät erzeugtes Übergewicht oder gentechnisch veränderte Mäuse, denen ein bestimmtes Gen fehlt. Am häufigsten werden Ratten und Mäuse verwendet, daneben Zebrafische, Kaninchen, Schweine oder nicht-menschliche Primaten.
Die Übertragbarkeit hängt davon ab, wie gut das Modell die menschliche Situation abbildet. Ein Beispiel: Bei Nagetieren schließen sich Hautwunden zu einem großen Teil durch Zusammenziehen der Haut, was beim Menschen kaum eine Rolle spielt. Hinzu kommen ein deutlich schnellerer Stoffwechsel sowie Unterschiede in Rezeptoren, Enzymen und Immunsystem, die dazu führen können, dass ein Peptid im Tier ganz anders wirkt.
Bedeutung in der Peptidforschung
Für viele Peptide auf PeptidWiki bilden Tiermodelle den Kern der Datenlage. Zu BPC-157, TB-500, Epitalon oder zahlreichen nootropen Peptiden stammen die meisten Befunde aus Ratten- oder Mausversuchen. Die Qualität schwankt stark: Kleine Gruppen, fehlende Verblindung und fehlende Randomisierung sind häufig. Leitlinien wie ARRIVE sollen die Berichtsqualität tierexperimenteller Studien verbessern.
Einordnung
Ein Befund im Tiermodell ist kein Beleg für eine Wirkung beim Menschen. Nur ein kleiner Teil der Substanzen, die im Tierversuch vielversprechend erscheinen, erreicht später eine Zulassung. Tierversuche unterliegen in der EU strengen Genehmigungspflichten und dem 3R-Prinzip: Vermeiden, Verringern, Verbessern.