Die Inhalte von PeptidWiki dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung, sind ausdrücklich keine Empfehlung und ersetzen keine medizinische Beratung.

Die beschriebenen Substanzen unterliegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschiedlichen rechtlichen Regelungen. Viele sind nicht als Arzneimittel zugelassen.

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Analysezertifikate (COA) selbst verifizieren

Ein Leitfaden, wie du ein Certificate of Analysis selbst prüfst, seine Kennzahlen einordnest und typische Verzerrungen erkennst. Reine Methodik, ohne Anbieterdaten und ohne Kaufempfehlung.

Was ein COA aussagt und was nicht

Ein Certificate of Analysis (COA) ist ein Laborbericht über eine untersuchte Probe. Es ist die Momentaufnahme einer Charge zum Zeitpunkt der Messung und keine dauerhafte Eigenschaft eines Produkts.

Diese Unterscheidung trägt den ganzen Rest dieser Seite. Ein Zertifikat kann echt, korrekt und aussagekräftig sein und trotzdem wenig über das eine Vial sagen, das am Ende bei dir ankommt. Wer ein COA liest, liest über eine Probe im Labor, nicht über die Sendung in seiner Hand.

Was es belegt
  • Die chemische Zusammensetzung genau der Probe, die im Labor lag.
  • Reinheit und Identität dieser einen Charge zum Zeitpunkt der Messung.
  • Ob die getesteten Prüfungen bestanden wurden, sofern sie überhaupt durchgeführt und dokumentiert sind.
Was es nicht belegt
  • Dass genau dieses Vial in deiner Hand aus der getesteten Charge stammt.
  • Dass die Ware seit der Messung sachgerecht gelagert und transportiert wurde.
  • Dass eine Anwendung sicher oder wirksam wäre. Ein COA trifft dazu keine Aussage.

Unabhängig verifizieren

Ein PDF, das direkt vom Anbieter kommt, ist zunächst nur eine Datei. Es lässt sich nachbearbeiten, aus einem anderen Vorgang übernehmen oder frei zusammenstellen. Verlässlich wird ein Report erst, wenn sich sein Inhalt unabhängig gegen das Portal des ausstellenden Labors abgleichen lässt.

Seriöse Labore bauen genau dafür einen zweiten Faktor ein. Die reine Vorgangsnummer genügt nicht, es braucht zusätzlich einen Schlüssel oder ein Passwort, das nur auf dem echten Report steht. Damit kann eine erfundene oder abgeschriebene Nummer nichts auflösen.

Janoshik Analytical

Die Verifikation über das offizielle Portal verlangt zwei Faktoren. Neben der Task-Nummer, die oben auf dem Report steht, wird ein case-sensitiver Unique Key erwartet, der unten auf dem Report abgedruckt ist. Es gibt kein Abrufmuster, das sich allein aus der Nummer zusammensetzen ließe. Der Key ist ein Fälschungsschutz, ohne ihn löst eine Nummer nichts auf.

Offizielles Verifikationsformular
Analiza Białek

Das öffentliche Ergebnisportal dieses EU-Labors funktioniert nach demselben Zweifaktor-Prinzip. Der Abruf verlangt Auftragsnummer und Passwort, die nach Abschluss der Analyse an den Auftraggeber gehen. Auch hier ist das Passwort ein Fälschungsschutz und keine öffentliche Ordnungsnummer.

Öffentliches Ergebnisportal

Nicht jedes Labor betreibt ein öffentliches Portal. Manche EU-Analytiklabore wie Liquilabs arbeiten rein im Auftrag, ihre Ergebnisse gehen privat an den Auftraggeber und lassen sich nur auf direkte Anfrage bestätigen. Fehlt ein Verifikationsweg vollständig, bleibt ein Report eine Angabe, die sich von außen nicht gegenprüfen lässt.

Kennzahlen lesen und einordnen

Die folgenden Werte tauchen auf den meisten Reports auf. Sie beschreiben jeweils einen Teilaspekt, und keiner von ihnen ist für sich ein Schwellwert, an dem ein Kauf hängt.

HPLC-Reinheit in Prozent

Die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie trennt die Bestandteile einer Probe auf. Der Reinheitswert ist der Flächenanteil des Zielpeaks an der Gesamtfläche des Chromatogramms. Er beschreibt, wie sauber diese eine Charge im Labor war, und ist ohne das zugehörige Chromatogramm und die Angabe der Wellenlänge nur eingeschränkt beurteilbar.

Massenspektrometrie als Identität

Die Massenspektrometrie bestimmt die Molekülmasse und bestätigt damit, ob überhaupt die deklarierte Substanz vorliegt. Ein hoher Reinheitswert ohne Massenbestätigung sagt nur, dass die Probe einheitlich ist, nicht, dass es sich um das richtige Peptid handelt. Erst die gemessene Masse im Abgleich mit der erwarteten Masse macht die Identität nachvollziehbar.

LAL-Endotoxin

Der LAL-Test misst bakterielle Endotoxine, die auch in ansonsten reinen Proben vorkommen können. Der Wert gehört zur Probe als Ganzes und wird in Endotoxineinheiten je Milligramm angegeben. Fehlt der Test, ist die Probe insofern nicht geprüft, ein fehlender Wert ist kein bestandener Wert.

Deklarierte gegen gemessene Menge

Neben der Reinheit steht oft die tatsächlich gemessene Wirkstoffmenge gegen die auf dem Vial deklarierte Sollmenge. Liegt die gemessene Menge deutlich darunter, spricht man von Unterfüllung. Aussagekräftig ist der Vergleich nur, wenn die Menge kalibriert bestimmt wurde und bei Mischpräparaten eine eigene Sollmenge je Komponente genannt ist.

Kalibrierung, Flächenprozent ist keine Masse

Ein Flächenprozentwert aus dem Chromatogramm ist ein Anteil und keine Masse in Milligramm. Wer einen Flächenprozentwert direkt gegen eine deklarierte Milligramm-Menge rechnet, vergleicht zwei verschiedene Größen. Eine belastbare Mengenangabe verlangt eine Kalibrierung gegen eine Referenzsubstanz, etwa über einen externen Standard.

TFA
Trifluoressigsäure (Gegenion)

Viele Peptide werden mit TFA als Gegenion geliefert. Hochqualitative Peptide haben TFA durch Acetat ersetzt, was injektionsrelevant ist (TFA ist leicht gewebereizend in höheren Konzentrationen).

Retentionszeit
Retention Time (RT)

Die Zeit, nach der ein Stoff die HPLC-Säule verlässt. Bekannte Referenzwerte für ein Peptid müssen mit der COA übereinstimmen, denn Abweichungen deuten auf eine falsche Substanz hin.

Häufige Fallstricke und Verzerrungen

Auch ein echtes Zertifikat kann ein schiefes Bild ergeben. Die folgenden Punkte verzerren nicht die einzelne Messung, sondern das Gesamtbild, das aus veröffentlichten Reports entsteht.

Selbsteinreichung
In aller Regel entscheidet der Anbieter selbst, welche Probe er einschickt und welches Ergebnis er anschließend veröffentlicht. Ein COA zeigt also das, was gezeigt werden soll, und nicht notwendigerweise einen zufällig gezogenen Querschnitt der Produktion.
Survivorship-Bias
Veröffentlicht werden meist nur bestandene Tests. Chargen, die schlecht abschneiden, tauchen selten öffentlich auf. Die sichtbare Auswahl wirkt dadurch systematisch besser als die Gesamtheit aller tatsächlich produzierten Chargen.
Fehlende ISO-17025-Akkreditierung
Nicht jedes Labor, das Analysen anbietet, ist nach ISO 17025 akkreditiert. Ohne Akkreditierung fehlt der unabhängig geprüfte Nachweis über Methodik, Kalibrierung und Rückführbarkeit der Messungen. Der Report bleibt dann eine Angabe des Labors ohne externe Bestätigung seiner Kompetenz.
Gealterte oder wiederverwendete Zertifikate
Ein COA, das älter ist als die Charge, für die es vorgelegt wird, kann auf ein wiederverwendetes Dokument hindeuten. Ein Testdatum vor dem plausiblen Produktionszeitraum oder ein identisches Zertifikat unter verschiedenen Produkten ist ein Anlass, genauer hinzusehen.
Die Charge ist nicht das gelieferte Vial
Ein COA beschreibt eine bestimmte, im Labor untersuchte Charge. Ob das ausgelieferte Vial derselben Charge angehört, sagt das Dokument allein nicht. Die Chargen- oder Lot-Nummer auf Etikett und Zertifikat ist der einzige Bezugspunkt, und selbst eine Übereinstimmung ist eine Angabe und kein Beweis für die Herkunft des einzelnen Vials.
Blend-Deklarationen
Bei Mischpräparaten mit mehreren Wirkstoffen ist eine Sammelangabe wie „10 mg gesamt" nicht dasselbe wie eine Sollmenge je Komponente. Ohne eine eigene Deklaration pro Wirkstoff lässt sich weder Reinheit noch Menge einer einzelnen Komponente sauber gegenrechnen.

Grenzen und rechtlicher Rahmen

Ein COA bleibt die Momentaufnahme einer Charge. Alle hier beschriebenen Substanzen sind im Kontext von Forschung zu sehen, also als Research Use Only. Diese Seite erklärt eine Prüfmethode und gibt keine Anwendungs- oder Dosierungsempfehlung, keine Kaufempfehlung und keine Bewertung einzelner Anbieter.

PeptidWiki aggregiert bewusst keine fremden Anbieter- oder Labordatenbestände und veröffentlicht keine Reinheitswerte einzelner Anbieter. Wir verweisen für die Prüfung auf die Originalquellen, also auf das Portal des jeweiligen Labors, und beschränken uns hier auf die Methodik, mit der du einen Report selbst einordnest.

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Vendor-Check lesen

Wie du einen Anbieter einschätzt und Warnsignale erkennst, bevor du dich für eine Quelle entscheidest.

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