Adipokin
EndokrinologieBotenstoff aus dem Fettgewebe. Sammelbegriff für Hormone und Zytokine, die Adipozyten ausschütten. Steuern Appetit, Insulinempfindlichkeit und Entzündung. Wichtigste Vertreter: Leptin, Adiponektin, Resistin. Bei Adipositas verschiebt sich das Profil pro-inflammatorisch.
Ausführlich erklärt
Fettgewebe galt lange als passiver Energiespeicher. Seit der Entdeckung von Leptin in den 1990er-Jahren ist klar, dass es als endokrines Organ arbeitet: Adipozyten, also Fettzellen, aber auch Immunzellen und Bindegewebszellen im Fettgewebe geben Signalstoffe ins Blut ab. Einige davon sind klassische Hormone, andere gehören zu den Zytokinen, den Botenstoffen des Immunsystems, etwa TNF-α oder Interleukin-6.
Die Zusammensetzung hängt stark vom Zustand des Gewebes ab. Kleine, gut durchblutete Fettzellen sezernieren ein eher ausgeglichenes Profil. Vergrößern sich die Zellen stark, entstehen Sauerstoffmangel, Zellstress und eine Einwanderung von Makrophagen. Ein Beispiel: Viszerales Fett im Bauchraum setzt im Vergleich zu Unterhautfett mehr entzündungsfördernde Signale frei, was mit einer geringeren Insulinempfindlichkeit in Verbindung gebracht wird.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidforschung sind Adipokine vor allem als Messgrößen relevant. Studien zu Inkretin-basierten Wirkstoffen wie Semaglutid oder Tirzepatid erfassen häufig Leptin- oder Adiponektin-Spiegel, um Veränderungen im Fettgewebe über das Körpergewicht hinaus abzubilden. Zudem sind einige Adipokine selbst Peptide oder Proteine, die als Ausgangspunkt für eigene Analoga untersucht wurden, etwa Leptin-Analoga in der endokrinologischen Grundlagenforschung.
Einordnung
Adipokin ist ein Sammelbegriff ohne scharfe Grenze. Manche Moleküle werden nicht ausschließlich im Fettgewebe gebildet, und die Funktion einzelner Vertreter wie Resistin unterscheidet sich zwischen Maus und Mensch deutlich. Befunde aus Nagetiermodellen lassen sich deshalb nur eingeschränkt übertragen.