Ghrelin
EndokrinologieHunger- und Wachstumshormon-Peptid, das hauptsächlich im Magen produziert wird. Stimuliert GH-Ausschüttung über GHS-Rezeptoren und reguliert Appetit. Ipamorelin und GHRP-6 sind synthetische Ghrelin-Mimetika.
Ausführlich erklärt
Ghrelin besteht aus 28 Aminosäuren und trägt eine ungewöhnliche Modifikation: An der dritten Aminosäure, einem Serin, ist eine Octanoylgruppe, also eine Fettsäurekette, gebunden. Erst diese Acylierung durch das Enzym GOAT ermöglicht die Bindung an den Rezeptor GHS-R1a. Im Blut liegt ein großer Teil als nicht acyliertes Desacyl-Ghrelin vor, dessen Funktion noch diskutiert wird.
Die Ghrelin-Spiegel steigen typischerweise vor Mahlzeiten an und fallen nach dem Essen ab. Über Rezeptoren im Hypothalamus fördert Ghrelin das Hungergefühl, in der Hypophyse regt es die Ausschüttung von Wachstumshormon an. Entdeckt wurde es 1999 von einer japanischen Arbeitsgruppe um Masayasu Kojima und Kenji Kangawa.
Bedeutung in der Peptidforschung
Die Geschichte ist in der Peptidforschung ungewöhnlich: Synthetische Wachstumshormon-Sekretagoga wie GHRP-6 wurden bereits in den 1980er-Jahren entwickelt, bevor man den zugehörigen Rezeptor und schließlich dessen natürlichen Liganden Ghrelin kannte. Heute werden Ipamorelin, Hexarelin oder die nicht-peptidische Substanz Ibutamoren als Ghrelin-Mimetika untersucht. Anamorelin ist in Japan zugelassen, in der EU dagegen nicht.
Einordnung
Die Bezeichnung „Hungerhormon“ ist vereinfacht. Ghrelin beeinflusst auch Blutzucker, Magenmotilität und Belohnungssysteme im Gehirn. Ghrelin-Mimetika wirken zudem nicht zwangsläufig identisch wie das natürliche Hormon. Die meisten davon sind experimentell und im DACH-Raum nicht als Arzneimittel zugelassen.