IGFBP
EndokrinologieInsulin-like Growth Factor Binding Protein. Familie von 6 Bindeproteinen (IGFBP-1 bis -6), die IGF-1 im Blut binden und dessen Wirkung modulieren. IGF-1 LR3 zeichnet sich dadurch aus, dass die IGFBP-Bindung erheblich schwächer ist, wodurch es systemisch stärker wirkt als natives IGF-1.
Ausführlich erklärt
Im Blut liegt IGF-1 nur zu einem sehr kleinen Teil frei vor. Der größte Anteil ist an IGFBP-3 gebunden, das zusammen mit einem weiteren Protein, der säurelabilen Untereinheit, einen großen ternären Komplex bildet. Dieser Komplex verlängert die Verweildauer von IGF-1 im Kreislauf erheblich und wirkt wie ein Speicher, aus dem der Wachstumsfaktor langsam freigesetzt wird.
Die sechs Bindeproteine unterscheiden sich in Verteilung und Funktion. IGFBP-1 etwa wird stark durch Insulin reguliert: Nach einer Mahlzeit sinkt sein Spiegel, wodurch mehr freies IGF-1 verfügbar wird. Proteasen können die Bindeproteine spalten und IGF-1 lokal freisetzen. Manche IGFBPs haben zudem Funktionen, die unabhängig von IGF sind, etwa Einflüsse auf Zellwachstum und Apoptose. Die Bindeproteine können die IGF-Wirkung also sowohl hemmen als auch gezielt an bestimmte Gewebe lenken.
Bedeutung in der Peptidforschung
In der Peptidforschung sind IGFBPs vor allem bei modifizierten IGF-1-Varianten von Bedeutung. IGF-1 LR3 trägt eine verlängerte N-terminale Sequenz und einen Aminosäureaustausch an Position drei, wodurch es kaum noch an Bindeproteine bindet. In Zellkulturen wirkt es dadurch deutlich potenter als natives IGF-1. Auch bei der Interpretation von IGF-1-Messwerten in Studien zur Wachstumshormonachse spielen die Bindeproteine eine Rolle.
Einordnung
IGFBP-3 wird in der Endokrinologie zusätzlich als Laborparameter für die Beurteilung der Wachstumshormonachse genutzt. IGF-1 LR3 ist nicht als Arzneimittel zugelassen, Daten zur Wirkung im Menschen fehlen weitgehend. Befunde aus Zellkulturen lassen sich nicht direkt auf den Organismus übertragen.