Kohortenstudie
WissenschaftBeobachtungsstudie, die eine definierte Gruppe (Kohorte) über einen längeren Zeitraum verfolgt, ohne aktiv einzugreifen. Gut für Langzeiteffekte und Häufigkeiten, anfällig für Confounding-Variablen, da keine Randomisierung stattfindet.
Ausführlich erklärt
Eine Kohortenstudie beginnt mit Personen, die ein bestimmtes Merkmal haben oder nicht haben, etwa eine Exposition gegenüber einem Wirkstoff, und beobachtet, wie häufig später bestimmte Ereignisse auftreten. Prospektive Kohortenstudien erheben Daten ab Studienbeginn in die Zukunft. Retrospektive Kohortenstudien nutzen bereits vorhandene Daten, etwa aus Kranken- oder Registerdatenbanken, und rekonstruieren den Verlauf rückblickend.
Das zentrale Problem ist das Confounding, also die Verzerrung durch Störgrößen, die sowohl mit der Exposition als auch mit dem Ergebnis zusammenhängen. Ein Beispiel: Personen, denen ein neues Medikament verordnet wird, unterscheiden sich oft in Alter, Vorerkrankungen oder Versorgung von anderen. Statistische Verfahren wie Adjustierung oder Propensity-Score-Methoden können bekannte Störgrößen berücksichtigen, unbekannte aber nicht.
Bedeutung in der Peptidforschung
Kohortenstudien spielen bei zugelassenen Peptidarzneimitteln eine wachsende Rolle, etwa bei der Frage nach seltenen Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten, die in Zulassungsstudien zu selten auftreten, um sie sicher zu erfassen. Dafür werden große Registerdaten, etwa aus skandinavischen Ländern, oder Versicherungsdatenbanken ausgewertet. Für experimentelle Peptide fehlen solche Datenquellen weitgehend, da sie nicht regulär verordnet werden.
Einordnung
Kohortenstudien zeigen Zusammenhänge, keine gesicherten Ursachen. Sie sind von Fall-Kontroll-Studien zu unterscheiden, die von Erkrankten ausgehen und rückblickend nach Expositionen suchen. Widersprechen sich Kohortenstudie und RCT, gilt das RCT in der Regel als verlässlicher.