Peptidmimetikum
PharmakologieSynthetische, nicht-peptidische Verbindung, die einen Peptid-Wirkstoff strukturell und funktionell nachahmt, meist mit besserer oraler Bioverfügbarkeit, höherer Stabilität gegenüber Proteasen oder längerer Halbwertszeit. Synonym im Plural: Peptidmimetika. Klassisches Beispiel: MK-677 (Ibutamoren), ein peptidomimetischer Ghrelin/GHSR-Agonist, der oral wirksam ist, im Gegensatz zu den verwandten Peptid-GHRPs wie Ipamorelin.
Ausführlich erklärt
Peptidmimetika entstehen, wenn man die für die Rezeptorbindung entscheidenden Bausteine eines Peptids, das sogenannte Pharmakophor, identifiziert und in ein anderes chemisches Gerüst überträgt. Die Bandbreite reicht von leicht veränderten Peptiden mit ersetzten Amidbindungen, N-Methylierungen oder D-Aminosäuren bis zu vollständig nicht-peptidischen kleinen Molekülen, die dieselbe räumliche Anordnung funktioneller Gruppen nachbilden.
Ziel ist häufig, die Schwächen natürlicher Peptide zu umgehen: raschen Abbau durch Proteasen, schlechte Aufnahme über den Darm und kurze Wirkdauer. Ein frühes, bekanntes Beispiel aus der Arzneimittelgeschichte sind ACE-Hemmer wie Captopril, deren Entwicklung von Peptiden aus Schlangengift ausging. Auch viele Protease-Hemmstoffe in der HIV-Therapie enthalten peptidähnliche Strukturelemente.
Bedeutung in der Peptidforschung
Auf PeptidWiki ist der Begriff wichtig, weil einige häufig diskutierte Substanzen formal keine Peptide sind. MK-677 etwa ist ein nicht-peptidischer Ghrelin-Rezeptor-Agonist, der ohne Injektion Wachstumshormon-Anstiege in Studien auslöste. Es wurde in klinischen Studien untersucht, ist jedoch nicht als Arzneimittel zugelassen. Auch in der GLP-1-Forschung werden oral verfügbare kleine Moleküle als Mimetika entwickelt.
Einordnung
Die Begriffe Peptidmimetikum und Peptidomimetikum werden synonym verwendet. Ein Mimetikum ahmt die Rezeptorbindung nach, besitzt aber meist ein eigenes Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil. Bessere orale Aufnahme bedeutet nicht höhere Sicherheit.