Tesofensin
Tesofensin ist kein Peptid, sondern eine Tablette, die drei Botenstoffe im Gehirn länger wirken lässt und dadurch den Appetit stark dämpft. In Studien nahmen Menschen deutlich ab. Zugelassen ist der Wirkstoff nirgends, und er reichert sich über Wochen im Körper an.
Fachangaben
Auch bekannt als: NS2330, Tesomet (als Kombinationspräparat)
Serotonin-Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (kleines Molekül)
Quick Start Guide
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Rechtlicher Hinweis
Diese Inhalte dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung. Sie stellen ausdrücklich keine Empfehlung zur Anwendung, keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes oder Apothekers. Die beschriebene Substanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die meisten aufgeführten Anwendungen nicht als Arzneimittel zugelassen und wird überwiegend nur im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Für Nutzer außerhalb des DACH-Raums gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften. Jede Eigenanwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und außerhalb des medizinisch zugelassenen Rahmens. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was ist Tesofensin und wie wirkt es?
Tesofensin fällt in dieser Datenbank aus der Reihe, denn es ist kein Peptid, sondern ein klassisches kleines Wirkstoffmolekül zum Schlucken. Entwickelt wurde es ursprünglich gegen Alzheimer und Parkinson. Dort half es zwar nicht wie erhofft, dafür fiel etwas anderes auf: Die Teilnehmer verloren ungewollt Gewicht. Aus dieser Nebenbeobachtung wurde ein eigenes Forschungsprogramm gegen Adipositas. Fachlich heißt Tesofensin ein dreifacher Wiederaufnahmehemmer, weil es gleich drei Botenstoffe im Gehirn betrifft.
Tesofensin (NS2330) ist ein kleines Molekül, das die Wiederaufnahme der drei Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn hemmt. Ursprünglich von NeuroSearch gegen neurodegenerative Erkrankungen erprobt, fiel in diesen Studien ein deutlicher Gewichtsverlust auf. Seitdem wird der Wirkstoff, heute von Saniona und Partnern, gezielt für die Adipositas-Behandlung untersucht. Tesofensin ist kein Peptid, wird aber im selben Optimierungs- und Abnehm-Umfeld diskutiert. In Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht keine Zulassung.
Wirkungsweise
Nervenzellen verständigen sich über Botenstoffe und sammeln diese danach wieder ein. Genau dieses Einsammeln bremst Tesofensin:
- Serotonin, Noradrenalin und Dopamin bleiben länger im Spalt zwischen den Nervenzellen aktiv.
- Serotonin und Dopamin verstärken das Sättigungsgefühl, der Hunger lässt spürbar nach.
- Noradrenalin kann den Energieverbrauch in Ruhe leicht anheben.
- Der Wirkstoff verlässt den Körper extrem langsam, die Halbwertszeit liegt bei etwa 9 Tagen.
- Ein aktives Abbauprodukt namens NS2360 bleibt sogar noch länger, rund 16 Tage.
Tesofensin blockiert die präsynaptischen Transporter für Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Dadurch bleiben diese Botenstoffe länger im synaptischen Spalt. Der serotonerge und dopaminerge Effekt verstärkt Sättigungssignale und senkt das Verlangen zu essen. Die noradrenerge Komponente kann den Ruheenergieumsatz und die Fettverbrennung erhöhen. Der aktive Metabolit NS2360 trägt wesentlich zur Langzeitwirkung bei.
Spricht dafür
- Die erwünschte Wirkung „Gewichtsreduktion“ ist in Humanstudien belegt.
- Die erwünschte Wirkung „Appetitzügelung“ ist in Humanstudien belegt.
Spricht dagegen
- In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff nicht als Arzneimittel zugelassen und bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone.
- Es sind Nebenwirkungen dokumentiert, darunter Mundtrockenheit und Schlafstörungen.
Wirkungen und Anwendungsgebiete
Die Daten stammen aus kontrollierten Studien am Menschen (Evidenzgrad B):
- In der 24 Wochen langen Phase-2-Studie TIPO-1 sank das Körpergewicht unter 0,5 mg um rund 10,6 Prozent gegenüber Placebo.
- Das war deutlich mehr, als die damals verfügbaren Abnehmmittel erreichten.
- Der Hauptmechanismus war die Appetitzügelung, nicht ein stark gesteigerter Verbrauch.
- Der Ruheenergieumsatz stieg nur leicht an, dieser Beitrag ist kleiner (Evidenzgrad C).
Gewichtsreduktion
In einer 24-wöchigen Phase-2-Studie (TIPO-1) sank das Körpergewicht unter 0,5 mg um bis zu rund 10,6% gegenüber Placebo, deutlich stärker als bei damals verfügbaren Abnehmmitteln.
PubMed-Quelle →Appetitzügelung
Tesofensin verstärkt über Serotonin und Dopamin die Sättigung und reduziert das Hungergefühl. Dies war der zentrale Mechanismus des Gewichtsverlusts in den Studien.
Gesteigerter Energieumsatz
Die noradrenerge Komponente kann den Ruheenergieumsatz und die Fettoxidation leicht erhöhen. Der Beitrag zum Gesamteffekt ist geringer als die Appetitzügelung.
Dosierung und Anwendung
In den Studien wurde Tesofensin als Tablette eingenommen:
- Untersucht wurden 0,25 mg, 0,5 mg und 1,0 mg einmal täglich.
- 0,5 mg zeigte die beste Balance aus Wirkung und Verträglichkeit.
- Unter 1,0 mg stiegen Blutdruck und Herzfrequenz deutlich an.
Studien-Dosierungen
| Anwendung / Phase | Dosis | Frequenz | Dauer | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Adipositas (Phase-2-Studie TIPO-1) | 0,25 / 0,5 / 1,0 mg | 1× täglich oral | 24 Wochen | 0,5 mg war der beste Kompromiss aus Wirkung und Verträglichkeit |
Anwendungsformen
- Als Tablette zum Schlucken, einmal täglich.
- Anders als die bekannten Abnehmspritzen wird nichts injiziert.
- Wegen der Anreicherung im Körper stellt sich die volle Wirkung erst nach mehreren Wochen ein.
Nebenwirkungen und Risiken
Die Nebenwirkungen ergeben sich aus der Wirkung auf das Nervensystem:
- Mundtrockenheit, Übelkeit und Verstopfung.
- Schlafstörungen.
- Erhöhter Herzschlag und steigender Blutdruck.
- Stimmungsschwankungen durch die zentralnervöse Wirkung.
Bekannte Nebenwirkungen
- •Mundtrockenheit
- •Schlafstörungen
- •Erhöhter Herzschlag
- •Blutdruckanstieg
- •Übelkeit
- •Verstopfung
- •Stimmungsschwankungen (durch die zentralnervöse Wirkung)
Kontraindikationen
- •Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck
- •Psychiatrische Vorerkrankungen
- •Gleichzeitige Einnahme anderer serotonerger Wirkstoffe
- •Schwangerschaft und Stillzeit
Studienlage
Die Datenlage ist solide, aber älter und nicht sehr umfangreich (Evidenzgrad B):
- ✅ TIPO-1 aus dem Jahr 2008, eine randomisierte Phase-2-Studie über 24 Wochen mit dosisabhängigem Gewichtsverlust.
- ✅ Eine Auswertung neurologischer Studien von 2008, in der der ungewollte Gewichtsverlust erstmals systematisch beschrieben wurde.
- ⚠ Trotz Phase-3-Programm wurde bis heute keine Zulassung erteilt.
Effect of tesofensine on bodyweight loss, body composition, and quality of life in obese patients: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial (TIPO-1)
HumanAstrup A, Madsbad S, Breum L, et al. (2008), The Lancet
Phase-2-Studie: Tesofensin führte über 24 Wochen zu einem dosisabhängigen Gewichtsverlust von bis zu rund 10,6% unter 0,5 mg gegenüber Placebo. Häufigste Nebenwirkungen waren Mundtrockenheit, Übelkeit und Schlafstörungen.
Weight Loss Produced by Tesofensine in Patients With Parkinson's or Alzheimer's Disease
HumanAstrup A, Meier DH, Mikkelsen BO, et al. (2008), Obesity
Auswertung neurologischer Studien, in der der ungewollte Gewichtsverlust unter Tesofensin erstmals systematisch beschrieben wurde. Er lieferte die Grundlage für die spätere Entwicklung als Abnehmmittel.
PubMed →Rechtslage und Sport
- 🇩🇪 DE · 🇦🇹 AT · 🇨🇭 CH: Grauzone. Kein zugelassenes Arzneimittel, der Vertrieb erfolgt als Forschungssubstanz (RUO).
- 🏅 WADA: nicht namentlich auf der Verbotsliste 2026. Wegen der dopaminergen, stimulierenden Komponente ist im Wettkampfsport trotzdem Vorsicht geboten, Verbandsregeln können strenger sein.
Tesofensin ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in der EU und den USA nicht als Arzneimittel zugelassen (Stand 2026). Es durchlief Phase-2- und Phase-3-Studien für Adipositas, eine Zulassung wurde jedoch bislang nicht erteilt. Der Vertrieb erfolgt als Forschungssubstanz (RUO). Als Wirkstoff mit dopaminerger, stimulierender Komponente ist bei sportlicher Relevanz Vorsicht geboten.
Nicht namentlich auf der WADA-Liste 2026. Als dreifacher Monoamin-Wiederaufnahmehemmer mit dopaminerger Wirkung könnte Tesofensin im Wettkampf unter die Kategorie S6 (Stimulanzien) fallen. Für Wettkampfsportler daher risikobehaftet.
Häufige Fragen zu Tesofensin
Ist Tesofensin ein Peptid?
Warum ist Tesofensin trotz guter Studien nicht zugelassen?
Was bedeutet die lange Halbwertszeit praktisch?
Ist Tesofensin so etwas wie Ozempic?
Was bedeutet die lange Halbwertszeit im Alltag?
Werkzeuge
Die wichtigsten Kennzahlen für Tesofensin sind bereits vorberechnet. Für Details ins jeweilige Werkzeug springen oder den geführten Ablauf Schritt für Schritt starten.
Weitere Werkzeuge:Kosten-Rechner·Protokoll- & Kalender-Planer·Wirkungs-Timeline·Peptid-Vergleich·PeptidWiki-Assistent
Semaglutid
Ozempic® · Wegovy® · Rybelsus®
Semaglutid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist, der als zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt wird und als Abnehmspritze bekannt wurde.
Tirzepatid
Mounjaro® · Zepbound®
Dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonist. In Phase-3-RCTs signifikante Effekte auf Stoffwechselparameter dokumentiert. In der EU verschreibungspflichtig (Mounjaro).
Retatrutid
Experimenteller Triple-Rezeptoragonist (GLP-1/GIP/Glukagon) von Eli Lilly. Phase-2-Studien dokumentieren Effekte auf metabolische Parameter. In Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht zugelassen.