Cyclische Peptide: Neue chemische Tricks machen schluckbare Peptide endlich realistisch
Jahrzehntelang galt: Peptide kann man nur spritzen. Ein Team aus Cambridge hat nun gezeigt, wie sich cyclische Peptide so stabilisieren lassen, dass sie den Magen-Darm-Trakt unbeschadet passieren. Die Entwicklung könnte die Therapie vieler chronischer Krankheiten revolutionieren.
Das Hindernis: Peptide sind empfindlich
Peptide bestehen aus Aminosäure-Ketten, die von Enzymen im Magen und Darm zerschnitten werden. Deshalb müssen fast alle Peptid-Medikamente, von Insulin bis zu den GLP-1-Analoga, gespritzt werden. Das ist für Patienten unbequem und senkt die Therapietreue. Seit Jahren suchen Forscher nach Wegen, Peptide oral verfügbar zu machen.
Der Durchbruch: Molekulare Büroklammern
Ein entscheidender Trick ist es, die lineare Peptidkette zu einem Ring zu schließen, also zu einem sogenannten cyclischen Peptid. Zusätzlich können spezielle chemische Brücken die räumliche Struktur fixieren. Forscher der University of Cambridge haben jetzt eine Bibliothek von cyclischen Peptiden synthetisiert und systematisch getestet. Sie fanden, dass bestimmte Beta-Haarnadel-Motive (eine gefaltete Struktur, die an eine Haarnadel erinnert) besonders stabil gegen Verdauungsenzyme sind.
Was die Daten zeigen
Im Labortest überlebten die stabilsten cyclischen Peptide mehr als sechs Stunden im simulierten Magensaft, ohne nennenswerten Abbau. In Ratten erreichten sie nach oraler Gabe Blutspiegel, die für viele therapeutische Anwendungen ausreichen. Die Resorption lag bei etwa 15 bis 20 Prozent, ein Wert, der mit vielen herkömmlichen Tabletten vergleichbar ist. Die Arbeit wurde 2020 in 'Nature Communications' veröffentlicht und seither weiterentwickelt.
Was noch fehlt
Nicht jedes cyclische Peptid wird automatisch oral verfügbar. Die Struktur muss für jede Zielmolekülklasse individuell optimiert werden. Zudem sind cyclische Peptide synthetisch anspruchsvoll herzustellen. Die Forscher arbeiten an skalierbaren Verfahren. Klinische Tests stehen für die meisten Kandidaten noch aus.
Bedeutung für die Praxis
Die oralen Peptide könnten das Feld der Peptidtherapeutika öffnen. Patienten mit Diabetes, Adipositas oder Autoimmunerkrankungen müssten seltener zur Spritze greifen. Auch die Kombination mit anderen oralen Medikamenten würde einfacher. Schon heute testen mehrere Firmen cyclische Peptide gegen Migräne, Schmerzen und Entzündungen.
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