Die Inhalte von PeptidWiki dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung, sind ausdrücklich keine Empfehlung und ersetzen keine medizinische Beratung.

Die beschriebenen Substanzen unterliegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschiedlichen rechtlichen Regelungen. Viele sind nicht als Arzneimittel zugelassen.

Inhalte werden mit Sorgfalt recherchiert, aber ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität bereitgestellt.

Ranking
Von PeptidWiki Redaktion· 5 Min Lesezeit

Die 5 Peptide mit den größten Potentialen in 2026

#Top 5#Pipeline#Phase 3#Triple-Agonist#FGF-21#MOTS-c#Research

Vom dreifachen Rezeptor-Agonisten bis zum mitochondrialen Botenstoff: Fünf Peptide, die 2026 in der wissenschaftlichen Pipeline stehen, und was ihre Datenlage jeweils hergibt.

„Vielversprechend" ist in der Peptid-Forschung ein strapaziertes Wort. Es steht mal für eine kontrollierte Phase-3-Studie, mal für eine einzelne Beobachtung in der Zellkultur. Diese Auswahl von fünf Substanzen stützt sich auf laufende Phase-2- und Phase-3-Programme sowie auf Wirkmechanismen, die erst in den letzten Jahren beschrieben wurden.

Die Bewertung folgt unserem 100-Punkte-Score. Das vollständige Ranking listet alle untersuchten Wirkstoffe. Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel beleuchtet rein das wissenschaftliche Potenzial. Keine der Substanzen ist im DACH-Raum ohne Verschreibung als Arzneimittel zugelassen, viele befinden sich noch in der Grundlagenforschung.

Platz 1: Retatrutid, drei Rezeptoren gleichzeitig

Retatrutid aktiviert nicht einen oder zwei, sondern drei zelluläre Rezeptoren gleichzeitig: GLP-1, GIP und Glukagon.

Der Unterschied zu den bisherigen Wirkstoffen liegt in der dritten Komponente. Während die anderen vor allem die Energiezufuhr drosseln, hebt die Glukagon-Achse zusätzlich den Energieverbrauch in der Leber an. Die im New England Journal of Medicine publizierten Phase-2-Daten aus dem Jahr 2023 zeigten quantitativ stärkere Effekte als die bisherigen Agonisten. Ein kritischer Punkt für die laufenden Phase-3-Studien bleibt ein beobachteter Herzfrequenzanstieg, der auf die Glukagon-Aktivierung zurückgeht. (PeptidWiki-Gesamtscore: 58/100).

Platz 2: FGF-21, Ansatzpunkt beim Leberstoffwechsel

FGF-21 (Fibroblast Growth Factor 21) wirkt auf Leber, Fettgewebe und Hypothalamus zugleich. Der Fokus der Forschung liegt auf dem Leberstoffwechsel, wo das Peptid den FGFR1/β-Klotho-Komplex aktiviert.

Über 900 PubMed-Einträge und ein Score von 55/100 zeigen, wie breit daran gearbeitet wird. Da es bisher kein zugelassenes Medikament gegen Leberfibrose gibt, könnten optimierte Analoga (wie Efruxifermin oder Pegozafermin), die sich aktuell in Phase-2b/3-Studien befinden, eine therapeutische Lücke bei NASH/MASLD (nichtalkoholische Fettlebererkrankung) schließen. Die Einschränkung: Das native Peptid zerfällt zu schnell, weshalb erst die modifizierten Analoga klinisch praktikabel sind.

Platz 3: Tirzepatid, zugelassen und trotzdem nicht ausgeforscht

Tirzepatid (Zulassungsname Mounjaro) ist bereits in der Praxis angekommen und wirft wissenschaftlich trotzdem noch offene Fragen auf. Über 1.800 PubMed-Einträge und ein PeptidWiki-Score von 81/100 stehen hinter dem dualen GIP/GLP-1-Agonisten.

Offen ist vor allem, wie die beiden Achsen ineinandergreifen. Neuere Hypothesen legen nahe, dass der GIP-Rezeptor primär im Hypothalamus und nicht im Fettgewebe wirkt, was der bisherigen Lehrbuchdarstellung widerspräche.

Platz 4: MOTS-c, kodiert im Mitochondrium statt im Zellkern

Fast alle Peptide des Körpers sind im Zellkern kodiert. MOTS-c nicht, seine Erbinformation liegt in den Mitochondrien. Seit der Erstbeschreibung 2015 in Cell Metabolism gehört es zu den meistdiskutierten Substanzen der Longevity-Grundlagenforschung.

MOTS-c deutet auf einen retrograden Kommunikationsweg hin, vom Mitochondrium zurück zum Zellkern. In Tiermodellen wirkt es auf die AMPK-Aktivierung und die mitochondriale Effizienz, beides zentrale Themen der Altersforschung. Mit rund 130 PubMed-Einträgen (Score: 42/100) fehlen Humanstudien allerdings weitgehend, das Interesse gilt bislang dem Mechanismus.

Platz 5: ARA-290, EPO-Wirkung ohne die Blutbildung

Erythropoetin (EPO) wirkt blutbildend und zugleich gewebeschützend. ARA-290 (Cibinetide) trennt beides voneinander: Es aktiviert allein den Tissue-Protective-Receptor (TPR) und damit den neuroprotektiven Teil der EPO-Wirkung, die oft problematische Blutbildung bleibt unberührt.

Mit einem Score von 48/100 und positiven Phase-2-Daten bei Sarkoidose-Neuropathie hat ARA-290 den EU-Orphan-Drug-Status für Small-Fiber-Neuropathien erhalten.

Fazit

Die fünf Substanzen verbindet vor allem die Abkehr von der Monotherapie an einem einzelnen Rezeptor, hin zu Multi-Rezeptor-Agonisten, organspezifischer Wirkung und neu beschriebenen zellbiologischen Signalwegen. Larazotid steht daneben als Erinnerung daran, dass ein Phase-2-Erfolg keine Aussage über Phase 3 erlaubt, viele Substanzen scheitern erst dort.

Dieser Artikel dient ausschließlich der wissenschaftlichen Information. Er enthält keine medizinischen Empfehlungen. Im DACH-Raum nicht als Arzneimittel zugelassene Peptide werden ausschließlich in der Grundlagenforschung untersucht.

RetatrutidFGF-21TirzepatidMOTS-cARA-290
  1. [1]
    Triple-Hormone-Receptor Agonist Retatrutide for Obesity. A Phase 2 Trial
    Jastreboff AM et al.N Engl J Med2023Studie
    Quelle aufrufen
  2. [2]
    MOTS-c, an ancient mitochondrial-derived peptide, with regulatory function in metabolism
    Lee C et al.Cell Metabolism2015Studie
    Quelle aufrufen
← Alle News