Larazotide (Larazotid-Acetat / AT-1001)
Larazotid soll die Verbindungen zwischen den Zellen der Darmwand abdichten und so einen „durchlässigen Darm" verringern. Bei der Glutenunverträglichkeit Zöliakie fiel eine frühere Studie am Menschen positiv aus, eine größere danach jedoch nicht, die Entwicklung wurde eingestellt.
Fachangaben
Auch bekannt als: AT-1001, Larazotid-Acetat, INN Larazotide
H-Gly-Gly-Val-Leu-Val-Gln-Pro-Gly-OH (8 Aminosäuren)
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Rechtlicher Hinweis
Diese Inhalte dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung. Sie stellen ausdrücklich keine Empfehlung zur Anwendung, keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes oder Apothekers. Die beschriebene Substanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die meisten aufgeführten Anwendungen nicht als Arzneimittel zugelassen und wird überwiegend nur im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Für Nutzer außerhalb des DACH-Raums gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften. Jede Eigenanwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und außerhalb des medizinisch zugelassenen Rahmens. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was ist Larazotide (Larazotid-Acetat / AT-1001) und wie wirkt es?
Larazotide (Larazotid-Acetat, früher: AT-1001) ist ein synthetisches Oktapeptid mit 8 Aminosäuren, das die Tight Junctions im Darm stabilisiert. Tight Junctions sind die molekularen "Klebebänder" zwischen Darmzellen, wenn sie aufreißen, können Nahrungsbestandteile und Bakterienbestandteile ins Blut gelangen ("Leaky Gut"). Bei Zöliakie öffnet Gluten diese Junctions durch das Signal-Protein Zonulin. Larazotide blockiert Zonulin und hält die Junctions geschlossen. Phase-2-Studien zeigten Wirkung, das Programm wurde nach schwierigen Phase-3-Studien eingestellt. In DACH nicht zugelassen.
Larazotid (früher: AT-1001, Handelsnamen: INN Larazotid-Acetat) ist ein synthetisches Oktapeptid (8 Aminosäuren), das ursprünglich aus dem Zonulin-regulierenden Protein Zonulin-Inhibitor entwickelt wurde. Es wirkt auf Tight Junctions, die Verbindungsstrukturen zwischen Darmepithelzellen, die die Barrierefunktion des Darms regulieren. Larazotide wurde primär als Therapieansatz für Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) entwickelt, da bei dieser Erkrankung die Tight Junctions durch Gluten-induziertes Zonulin geöffnet werden, was zu erhöhter Darmpermeabilität ("leaky gut") und Immunaktivierung führt. Phase-2-Studien (AT-1001-01 und -03) zeigten eine Reduktion von Zonulin-Spiegeln und gastrointestinalen Symptomen bei Zöliakie-Patienten unter Glutenbelastung. Phase-3-Studien wurden bisher nicht erfolgreich abgeschlossen. Das Unternehmen Alba Therapeutics entwickelte AT-1001/Larazotid, die weiteren Entwicklungen wurden eingestellt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Larazotide nicht als Arzneimittel zugelassen, es wird als Forschungssubstanz zum Studium der intestinalen Barrierefunktion eingesetzt.
Wirkungsweise
- Bindet an Tight Junction-Proteine (Occludin, Claudine) und stabilisiert den Apical Junction Complex.
- Antagonisiert Zonulin, das körpereigene Signal, das Tight Junctions öffnet.
- Reduziert die parazelluläre Permeabilität: weniger Durchlass für große Moleküle (Antigene, Gliadin).
- Wirkt lokal im Darm, es wird kaum ins Blut aufgenommen.
Larazotide bindet an Tight Junction-Proteine (Occludin, Claudine) und stabilisiert die parazelluläre Barriere. Es antagonisiert Zonulin, das endogene Tight Junction-Öffnungssignal. Durch Stabilisierung der apikalen Junction Complex (AJC) wird der parazellulären Fluss großer Moleküle (Antigene) reduziert.
Spricht dafür
- Die erwünschte Wirkung „Tight Junction-Stabilisierung“ ist in Humanstudien belegt.
- Die erwünschte Wirkung „Reduktion intestinaler Permeabilität“ ist in Humanstudien belegt.
Spricht dagegen
- In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff nicht als Arzneimittel zugelassen und bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone.
- Es sind Nebenwirkungen dokumentiert, darunter Kopfschmerzen und Harnwegsinfektionen.
Wirkungen und Anwendungsgebiete
Larazotide ist das einzige oral wirksame Peptid dieser Art, zu dem klinische Daten vorliegen:
- Reduktion intestinaler Permeabilität bei Zöliakie: Phase-2-Studie positiv (Level B)
- Symptomreduktion bei Glutenbelastung: signifikant vs. Placebo in kontrollierter Phase-2-Studie (Level B)
- Zonulin-Antagonismus: in vitro gut belegt (Level B)
Tight Junction-Stabilisierung
Reduziert die durch Gluten (Gliadin) induzierte Öffnung der Tight Junctions im Darmepithel.
Reduktion intestinaler Permeabilität
Klinische Phase-2-Studien zeigten eine Verringerung der Darmdurchlässigkeit ("Leaky Gut") bei Zöliakie-Patienten.
Zonulin-Antagonismus
Wirkt als Gegenspieler von Zonulin, dem endogenen Regulator der parazellulären Permeabilität.
Dosierung und Anwendung
Klinisches Phase-2-Schema:
- 0,5 mg oral, 3× täglich (1,5 mg/Tag gesamt)
- Einnahme ca. 15 Minuten vor den Mahlzeiten
- Kapseln oder Tabletten, lokale Wirkung im Darm
Studien-Dosierungen
| Anwendung / Phase | Dosis | Frequenz | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Klinische Phase-2 (Zöliakie) | 0,5 mg | 3× täglich | Oral, ca. 15 Minuten vor den Hauptmahlzeiten eingenommen. |
Anwendungsformen
- Oral: einzige sinnvolle Route (Wirkung im GI-Trakt)
- Systemische Resorption: minimal, kaum Wirkung über den Darm hinaus
- Als Kapsel/Tablette, mit Wasser, vor den Mahlzeiten
Nebenwirkungen und Risiken
In den Phase-2-Studien wurde Larazotide gut vertragen:
- Kopfschmerzen (häufigste Nebenwirkung in Studien)
- Harnwegsinfektionen (leicht erhöhte Rate)
- Übelkeit (selten)
- Keine schwerwiegenden systemischen Nebenwirkungen in Phase-2-Studien
Bekannte Nebenwirkungen
- •Kopfschmerzen (häufig in Studien)
- •Harnwegsinfektionen (in klinischen Studien leicht erhöht berichtet)
- •Übelkeit
- •Sehr gute lokale Verträglichkeit im Darm
Kontraindikationen
- •Darf eine glutenfreie Diät bei Zöliakie nicht ersetzen (es war stets als Ergänzung gedacht)
- •Schwangerschaft und Stillzeit (fehlende Daten)
Studienlage
Solide Phase-2-Basis, Phase 3 schwierig. Evidenzlevel B:
- ✅ Kelly et al. 2013 (Aliment Pharmacol Ther): Phase-2-RCT. Larazotid reduziert Symptome und Darmpermeabilität bei Glutenbelastung
- ✅ Leffler et al. 2012 (Gastroenterology): Positiver Phase-2b-Befund
- ❌ Phase-3-Studie (IMGX003): kein signifikanter Primärendpunkt. Programm von Alba Therapeutics eingestellt
Rechtslage und Sport
- 🇩🇪 DE · 🇦🇹 AT · 🇨🇭 CH: Grauzone, kein zugelassenes Arzneimittel. Verkauf üblich als Forschungschemikalie (RUO).
- Kein WADA-Verbot
Nicht als Arzneimittel zugelassen. Phase-3-Zulassungsstudien bei Zöliakie wurden abgebrochen. Forschungschemikalie.
Tight-Junction-Modulator (Darm). Nicht auf der WADA-Liste.
Häufige Fragen zu Larazotide (Larazotid-Acetat / AT-1001)
Ist Larazotide gut für "leaky gut" allgemein?
Wird Larazotide systemisch aufgenommen?
Hilft Larazotide bei "Leaky Gut" allgemein?
Warum wurde das Programm eingestellt, wenn Phase 2 positiv war?
Teil bekannter Peptid-Stacks
Werkzeuge
Die wichtigsten Kennzahlen für Larazotide (Larazotid-Acetat / AT-1001) sind bereits vorberechnet. Für Details ins jeweilige Werkzeug springen oder den geführten Ablauf Schritt für Schritt starten.
Weitere Werkzeuge:Kosten-Rechner·Protokoll- & Kalender-Planer·Wirkungs-Timeline·Peptid-Vergleich·PeptidWiki-Assistent
BPC-157
BPC-157 ist ein synthetisches Pentadekapeptid aus 15 Aminosäuren, das sich von einem im menschlichen Magensaft vorkommenden Schutzprotein ableitet und für seine regenerativen Eigenschaften bekannt ist.
KPV
Tripeptid (C-terminales Fragment von alpha-MSH). In Zellstudien auf antiinflammatorische Signalwege untersucht. Oral und topisch erforscht. In Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht zugelassen.
LL-37
Einziges bekanntes humanes Cathelicidin-Peptid. In der Forschung auf antimikrobielle und immunmodulatorische Eigenschaften untersucht. Endogen in Neutrophilen und Epithelzellen exprimiert.