ARA-290
ARA-290 ist der Teil des Doping-Hormons EPO, der Gewebe schützt, ohne die Blutbildung anzuregen. In einer placebokontrollierten Studie senkte es die Schmerzen bei einer Nervenerkrankung. Zugelassen ist es nicht.
Fachangaben
Auch bekannt als: Cibinetide, ARA290, Helix-B-Oberflächenpeptid
Cyclo-BCON: Ile-Gln-Cys-Ala-Glu-Ser-Leu-Leu-Lys-Asp-Ala-Leu-Tyr-Glu-Leu-NH2 (nicht-hämatopoetisches Erythropoetin-Mimetikum)
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Rechtlicher Hinweis
Diese Inhalte dienen ausschließlich der wissenschaftlichen Information und Forschung. Sie stellen ausdrücklich keine Empfehlung zur Anwendung, keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen nicht die Konsultation eines Arztes oder Apothekers. Die beschriebene Substanz ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die meisten aufgeführten Anwendungen nicht als Arzneimittel zugelassen und wird überwiegend nur im Bereich der Grundlagenforschung eingesetzt. Für Nutzer außerhalb des DACH-Raums gelten die jeweiligen nationalen Vorschriften. Jede Eigenanwendung erfolgt auf eigene Verantwortung und außerhalb des medizinisch zugelassenen Rahmens. Alle Angaben ohne Gewähr.
Was ist ARA-290 und wie wirkt es?
Erythropoetin (EPO) kennt man vor allem als Dopingmittel: Es lässt mehr rote Blutkörperchen entstehen und erhöht die Ausdauerleistung. Aber EPO kann noch viel mehr, es hat auch einen "Gewebeschutz-Modus". ARA-290 (auch: Cibinetide) ist genau dieses Gewebeschutz-Fragment: 11 Aminosäuren aus der Oberfläche des EPO-Moleküls, die nur den schützenden Rezeptor aktivieren, nicht den blutbildenden. Kein Doping-Effekt, kein erhöhter Hämatokrit.
ARA-290 ist ein synthetisches 11-Aminosäuren-Peptid, das von der Helix-B-Oberfläche des Erythropoetins (EPO) abgeleitet ist. Während EPO primär die Hämatopoese stimuliert, aktiviert ARA-290 selektiv den sogenannten Tissue-Protective-Receptor (TPR), einen Heterodimer aus β-CR (β-common receptor) und EPOR. Diese Aktivierung ist von der hämatopoetischen Wirkung getrennt, weshalb ARA-290 die Blutbildung nicht stimuliert. Die an den Hämatokrit gebundenen EPO-Risiken entfallen damit. In klinischen Phase-1/2-Studien bei Sarkoidose-assoziierter Small-Fiber-Neuropathie verringerte ARA-290 die Schmerzen signifikant. Für die Nervenfaserdichte ergab sich im Phase-2-RCT kein signifikanter Effekt.
Wirkungsweise
ARA-290 aktiviert selektiv den sogenannten "Tissue-Protective Receptor" (TPR), den Gewebeschutz-Rezeptor des EPO-Systems:
- Zellen werden vor dem Tod geschützt (antiapoptotische Signale)
- Entzündungen werden gedämpft. Makrophagen wechseln in einen heilungsfreundlichen Modus
- Das Immunsystem wird moduliert, dendritische Zellen werden aktiviert
- Keine Stimulation der Blutbildung, kein EPO-ähnliches Risiko
ARA-290 aktiviert selektiv den Tissue-Protective-Receptor (TPR), der aus EPOR und β-CR zusammengesetzt ist. Dies löst intrazellulär antiapoptotische (Akt, Bcl-2) und antiinflammatorische (NF-κB-Hemmung, IL-10-Förderung) Signalwege aus. Zudem stimuliert es die Migration dendritischer Zellen und reduziert die Aktivierung von Makrophagen (M1→M2 Shift).
Spricht dafür
- Die erwünschte Wirkung „Reduktion von Small-Fiber-Neuropathie“ ist in Humanstudien belegt.
- Die erwünschte Wirkung „Entzündungshemmung“ ist in Humanstudien belegt.
Spricht dagegen
- In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff nicht als Arzneimittel zugelassen und bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone.
- Es sind Nebenwirkungen dokumentiert, darunter Injektionsstellen-Reaktionen und Kopfschmerzen.
Wirkungen und Anwendungsgebiete
ARA-290 ist eines der wenigen Regenerations-Peptide mit einer randomisierten, placebo-kontrollierten Human-Studie:
- Signifikante Schmerzreduktion bei Sarkoidose-Neuropathie (Phase-2-RCT)
- Entzündungshemmung systemisch, in klinischen Beobachtungen
- Neuroprotektion nach ischämischen Ereignissen, in Tiermodellen
- Mögliche Verbesserung der Insulinsensitivität, frühe Tierdaten
Reduktion von Small-Fiber-Neuropathie
Phase-2-RCT bei Sarkoidose-Patienten zeigt signifikante Schmerzreduktion, keine signifikante Verbesserung der Nervenfaserdichte.
PubMed-Quelle →Entzündungshemmung
Reduziert systemische Entzündungsmarker (TNF-α, IL-6) in klinischen Beobachtungen.
Neuroprotektion
Schützt neuronales Gewebe nach ischämischen Ereignissen in Tiermodellen.
Verbesserung der Insulinsensitivität
Frühe Daten zeigen metabolische Verbesserungen in Tiermodellen für Typ-2-Diabetes.
Dosierung und Anwendung
Aus der klinischen Phase-2-Studie:
- 4 mg, dreimal pro Woche, subkutan injiziert
- Halbwertszeit ~2–4 Stunden
Studien-Dosierungen
| Anwendung / Phase | Dosis | Frequenz | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Neuropathie (klinische Studie) | 4 mg | 3× wöchentlich s.c. | Aus publizierten Phase-2-Daten |
Anwendungsformen
- Spritze unter die Haut (subkutan), einzige valide Methode
Für das Ansetzen und Verdünnen im Labor hilft der Mischungsverhältnis-Rechner beim Berechnen von Lösungsmittelmenge und Zielkonzentration.
Nebenwirkungen und Risiken
In klinischen Studien war ARA-290 gut verträglich, anders als EPO selbst:
- Lokale Injektionsreaktionen, leicht und vorübergehend
- Gelegentlich Kopfschmerzen
- Keine hämatopoetischen Nebenwirkungen, kein erhöhtes Thrombose- oder Polyzythämie-Risiko wie bei EPO
Bekannte Nebenwirkungen
- •Injektionsstellen-Reaktionen (leicht)
- •Kopfschmerzen (gelegentlich)
- •Keine hämatopoetischen Nebenwirkungen (kein EPO-ähnliches Risiko)
Kontraindikationen
- •Bekannte EPO-Überempfindlichkeit
- •Schwangerschaft
Studienlage
Die Evidenz ist für ein Nischen-Peptid vergleichsweise solide, aber nicht durchweg positiv:
- ✅ Moderate Publikationslage
- ✅ Randomisierte, placebokontrollierte Phase-2-Studie (RCT) mit signifikanter Schmerzreduktion
- ✅ Human-Sicherheitsdaten aus klinischen Studien
- ❌ Primärendpunkt (Nervenfaserdichte) in der Studie nicht signifikant verbessert
- ⚠ Kein zugelassenes Arzneimittel. Entwicklung läuft noch
Rechtslage und Sport
- 🇩🇪 DE · 🇦🇹 AT · 🇨🇭 CH: Grauzone, kein zugelassenes Arzneimittel. Verkauf üblich als Forschungschemikalie (RUO).
- EU Orphan Drug Status für Sarkoidose-Neuropathie, d. h. es läuft ein formales Zulassungsverfahren
Kein zugelassenes Arzneimittel. Orphan-Drug-Status für Sarkoidose-Neuropathie in der EU. Als Forschungschemikalie in Grauzone.
EPO-Analogon ohne Erythropoese-Aktivität. Nicht auf der WADA-Liste. Rein neurotrophische Wirkung in Forschung.
Häufige Fragen zu ARA-290
Was ist der Unterschied zwischen ARA-290 und EPO?
Ist ARA-290 dasselbe wie EPO-Doping?
Für wen ist ARA-290 besonders relevant?
Teil bekannter Peptid-Stacks
Werkzeuge
Die wichtigsten Kennzahlen für ARA-290 sind bereits vorberechnet. Für Details ins jeweilige Werkzeug springen oder den geführten Ablauf Schritt für Schritt starten.
Weitere Werkzeuge:Kosten-Rechner·Protokoll- & Kalender-Planer·Wirkungs-Timeline·Peptid-Vergleich·PeptidWiki-Assistent
VIP
Endogenes 28-AS-Neuropeptid mit immunmodulatorischen und vasodilatatorischen Eigenschaften. Natürlich in Darm, Lunge und ZNS vorkommend. In der Forschung auf entzündliche Erkrankungen untersucht.
BPC-157
BPC-157 ist ein synthetisches Pentadekapeptid aus 15 Aminosäuren, das sich von einem im menschlichen Magensaft vorkommenden Schutzprotein ableitet und für seine regenerativen Eigenschaften bekannt ist.
KPV
Tripeptid (C-terminales Fragment von alpha-MSH). In Zellstudien auf antiinflammatorische Signalwege untersucht. Oral und topisch erforscht. In Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht zugelassen.